Moderne Fernfeld- und Nahfeld- Mikroskopien (Chemnitz) Das Institut für Physik der TU Chemnitz hatte sich auch 1999 wieder um einen Ferien- kurs beworben. 48 auswärtige Studenten und Doktoranden waren der Einladung gefolgt, und natürlich ließen sich auch viele Chem- nitzer dieses Ereignis nicht entgehen. Moder- ne Mikroskopien sowie ihre Anwendungen sollten vorgestellt, demonstriert und disku- tiert werden. Das Spektrum reichte dabei von den mit Licht, Elektronen und Röntgenstrah- lung arbeitenden Fernfeldmikroskopien bis zur breiten Palette der Raster-Sonden-Verfah- ren (Raster-Tunnel-, Raster-Kraft- und Opti- sche Raster-Nahfeld-Mikroskopien). Anliegen des Kurses war es, zum einen die physikali- schen Grundprinzipien der Mikroskopie im Fernfeld und Nahfeld aufzuzeigen und zum anderen einen Eindruck vom breiten metho- dischen und applikativen Spektrum dersel- ben zu vermitteln, wobei auch Aspekte der Bildinterpretation und Theorie der Abbildung und der Kontrastmechanismen eingeschlos- sen wurden. Interdisziplinarität war gesichert durch Beiträge aus Biologie, Elektrochemie, Elektronik, Materialwissenschaft, Medizin, Metrologie und sogar der Industrie. Moderne Mikroskopien erlauben die hochgradig lokale Untersuchung physikali- scher und anderer Phänomene bei räumli- chen Auflösungen vom Mikrometerbereich bis herunter zu atomaren Dimensionen. Sie sind unverzichtbare Werkzeuge in der physi- kalischen Grundlagenforschung, und sie sind es auch, die maßgeblich die vielbeschwore- nen Nanotechnologien von der Fiktion zur Realität führen. Moderne Mikroskopien er- möglichen die „direkte Abbildung“, lokale Analytik und sogar gezielte lokale Verände- rung des Untersuchungsobjekts. Grundlegend für die Interpretation der „Bilder“ ist dabei das Verständnis der vielfältigen Wechselwir- kungsmechanismen mit der Probe. Anspre- chende Physik ist aber auch essenziell mit der Konstruktion und Anwendung moderner Mikroskope verbunden. Ein aktueller und kompetenter Überblick über dieses Querschnittsgebiet ließ sich nur durch die aktive Beteiligung zahlreicher teil- weise sehr prominenter Referenten erreichen. So konnten insgesamt 36 Vortragende gewonnen werden. Das Themenspektrum der Einzelvorträge reichte von der Sub-Angström- Transmissionselektronenmikroskopie und Elektronenholographie, über die Miniaturi- sierung von Raster-Sonden, atomare und molekulare Manipulationen mit dem Raster- Tunnel-Mikroskop bis zur Anwendung der Transmissionselektronenmikroskopie in den Biowissenschaften oder von Rastersondenver- fahren in der Magnetplattenspeicherindustrie. D. Schulze (Dresden) bereicherte das Pro- gramm mit einen anregenden allgemein ver- ständlichen Abendvortrag zu ästhetischen Aspekten elektronenmikroskopischer Abbil- dungen. Mehrere Exkursionen machten unsere Gäste mit der durchaus reizvollen Chemnit- zer Umgebung vertraut. Thematisch an das Kursprogramm angekoppelt war ein Besuch im Mathematisch-Physikalischen Salon des Dresdener Zwingers. Besonderer Dank gilt hier dem Direktor, Herrn Dr. Schillinger, der es sich nicht nehmen ließ, die Kursteilneh- mer persönlich und kostenlos durch die Sammlung zu führen. Die Sächsische Schweiz, unsere Landeshauptstadt Dresden, die Augustusburg bei Chemnitz, Annaberg und das umgebende sächsische Erzgebirge wurden besucht. Kulturveranstaltungen und Bierabende ließen auch wochentags nie Lan- geweile aufkommen. Unser Dank sei hiermit nochmals allen Referenten gesagt, besonders aber denen, die den Kurs auch über längere Zeit begleiteten, und natürlich der Wilhelm und Else Heraeus- Stiftung für die großzügige finanzielle Förde- rung der Veranstaltung. Zusätzlich eingewor- bene Sponsorbeiträge, die einige kleine Ex- tras ermöglichten, werden dankend erwähnt. Neben vielen Eindrücken und manch neuer Erkenntnis nahmen die Kursteilnehmer auch reichlich Papier mit nach Hause, denn von dem Angebot, Kopien der Vortragsfolien zu bestellen, wurde überaus reger Gebrauch ge- macht. Chistian von Borczyskowski, Michael Hietschold Festkörperspektroskopie: Grund- lagen und aktuelle Anwendungen (Dresden) Zentrales Anliegen des Kurses vom 28. 9. – 8. 10. 1999 war es, physikalische Grund- lagen und komplementäre Anwendungen moderner spektroskopischer Untersuchungs- methoden der Festkörperphysik in kompak- ter Form vorzustellen. Ein besonderer Reiz dieses Vorhabens be- stand darin, die Vermittlung solider Grund- kenntnisse zu verbinden mit der Darstellung aktuellster Entwicklungen. Zugleich sollte ein repräsentativer Überblick über Möglichkeiten und Grenzen der verschiedensten Methoden geboten werden. Entsprechend breit war das vorgestellte Spektrum. In der ersten Woche wurden vorwiegend „klassische“ Methoden vorgestellt wie die magnetische Kernresonanzspektroskopie (D. Brinkmann), Mössbauer-Spektroskopie (G. Wortmann), Raman-Spektroskopie (Ch. Thomsen) sowie Möglichkeiten der Fest- körperanalyse mit hochenergetischen Ionen (W. Möller), die Spektroskopie magnetischer Anregungen mit Neutronen (M. Loewen- haupt) und die Photoelektronenspektroskopie einschließlich inverser Photoemissionen (C. Laubschat) diskutiert. Unelastische Elektronen- und Röntgen- streuung (J. Fink), optische Ultrakurzzeitspek- troskopie (K. Leo), Rastersondenspektrosko- pie (R. Wiesendanger) und Einzelmolekül- spektroskopie (J. Wrachtrup) sowie die Methode der Elektronenspinresonanz (M. Far- le) und Infrarotspektroskopie von Halbleitern (M. Helm) waren die experimentellen Schwerpunkte in der zweiten Woche. Ergänzt wurden diese durch theoretische Beiträge zur fundamentalen Rolle von Antwortfunktionen und deren Eigenschaften (P. Fulde), der theo- retischen Untersuchung von Nanostrukturen mittels Phononenspektroskopie (D. Lehmann) sowie der Spektroskopie und Dynamik ato- marer Cluster mithilfe der zeitabhängigen Dichtefunktionaltheorie (R. Schmidt). Trotz der thematischen Breite ist es oft- mals gelungen, Zusammenhänge und sich ergänzende Methoden bei der komplexen Charakterisierung von Festkörpereigenschaf- ten darzustellen. So wurden gleiche Phä- nomene bzw. Systeme mit ganz unterschied- WE-Heraeus-Ferienkurse für Physik 1999 Im Herbst 1999 wurden wiederum fünf Ferienkurse für Physik in den Neuen Bun- desländern durchgeführt. Damit haben seit 1991 nunmehr 32 Kurse an elf Universitä- ten stattgefunden. Sowohl die wachsende Zahl der Anmeldungen zu den Kursen als auch der Bewerbungen um die Bewilligung eines Kurses belegen die ungebrochene Attraktivität dieser Veranstaltungen. Die Kurse bieten fortgeschrittenen Physikstu- denten aus allen Teilen Deutschlands die Möglichkeit, sich über aktuelle und interes- sante Themen durch prominente und wis- senschaftlich ausgewiesene Dozenten infor- mieren zu lassen, und die veranstaltenden Fachbereiche nutzen gerne die Chance, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten so- wie das städtische Ambiente ihrer Univer- sität in freundlichem Licht darzustellen. Schließlich erweist sich mit jedem Kurs aufs Neue, dass damit ein hervorragendes Forum für die Begegnung von Teilnehmern aus Ost und West geboten wird. Nach an- fänglich drei Ferienkursen pro Jahr gibt es seit 1996 derer fünf, und auch für das Jahr 2000 hat die Stiftung wieder bis zu fünf Ferienkurse ausgeschrieben. Im Folgenden berichten Veranstalter und Teilnehmer über die Kurse 1999. Die Berichte belegen, dass es wieder gelungen ist, aktuelle und reizvolle Themen anzubie- ten. Es kann dankbar vermerkt werden, dass die Kursleiter die Kurse ausnahmslos engagiert und sorgfältig vorbereitet haben und dass sich die als Wunschkandidaten angesprochenen Referenten fast alle zur Mitarbeit bereit fanden. Die Studierenden haben sich bei allen Kursen nicht nur aktiv an Übungen, Diskussionen und Postersit- zungen beteiligt, sondern auch mit Begei- sterung an gemeinsamen Ausflügen, Sport- veranstaltungen, kulturellen Unternehmun- gen und Besichtigungen teilgenommen. Die einheitlich positiven Reaktionen und freundlichen Berichte über die Ferien- kurse ‘99 wie auch über weitere von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung durch- geführte Doktorandenschulen haben den Stiftungsvorstand veranlasst, bei entspre- chender Nachfrage, den Veranstaltungstyp „Physikschule“ noch stärker als bisher zu fördern. Ernst Dreisigacker Physikalische Blätter 56 (2000) Nr. 2 70 Tagungen Tagungsberichte Dr. Ernst Dreisig- acker, Wilhelm und Else Heraeus-Stif- tung, Hanau Prof. Dr. Christian von Borczyskowski, Prof. Dr. Michael Hietschold, TU Chemnitz