Originalarbeit
Präv Gesundheitsf
https://doi.org/10.1007/s11553-022-00949-x
Eingegangen: 14. Mai 2021
Angenommen: 10. April 2022
© Der/die Autor(en) 2022
Carina Förster · Anja Hawlitschek · Rahim Hajji
Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg,
Deutschland
Pandemiebedingte
Belastungserfahrungen,
Ressourcen und depressive
Stimmungen von Studierenden
am Ende des Online-
Wintersemesters 2020/21
Hintergrund und Fragestellung
Studierende zählen weltweit zu einer vul-
nerablen Gruppe, die überdurchschnitt-
lich zu psychischen Problemen und de-
pressiven Störungen neigt [3, 16, 18]. Em-
pirische Studien zeigen, dass die Präva-
lenz von Depression unter Studierenden
während der Pandemie von 19,7% auf
31,2 % gestiegen ist [3, 8]. Auch durch-
geführte Trendstudien an der Hochschu-
le Magdeburg-Stendal belegen, dass die
depressiven Stimmungen unter Studie-
renden von 11% auf 25% zugenommen
haben [13]. Die depressive Stimmung
wird als das Wahrnehmen von Sympto-
men der Depression, wie beispielsweise
das Gefühl von Traurigkeit, emotionaler
Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit
oder Unlust, verstanden [10, S. 15–17].
Zur Erklärung der depressiven Stim-
mung kann das Vulnerabilitäts-Stress-
Modell herangezogen werden [21]. Zu
den Ursachen einer Depression kön-
nen nach Brakemeier et al. [5] (neu-
ro)biologische, psychologische und um-
weltbezogene Vulnerabilitätsfaktoren
gezählt werden, die die individuelle
Anfälligkeit für psychische Störungen
ausmachen. In dem Vulnerabilitäts-
Stress-Modell sind die Merkmale der
psychischen Störung das Ergebnis des
Zusammenwirkens der Vulnerabilität
einer Person mit den erlebten Stresser-
eignissen.
Zu den Stressereignissen können
nach Wittchen und Hoyer [21] kriti-
sche Lebensereignisse gezählt werden.
In der vorliegenden Untersuchung wird
die COVID-19-Pandemie („coronavirus
disease 2019“) und die damit verbunde-
nen Maßnahmen zur Eindämmung der
Krankheit als coronabedingte Stressoren
betrachtet. Die notwendige pandemie-
bedingte Schließung von Hochschulen
und Universitäten im Sommersemester
2020, Wintersemester 2020/2021 und im
Sommersemester 2021 hat dazu geführt,
dass die Lebenswelt der Studierenden
sich veränderte. Die Umstellung von
Präsenz- auf Online-Lehre und die da-
mit einhergehende Änderung von Lehr-
Lern-Prozessen und Lehr-Lern-Verhal-
ten werden von den Studierenden als
gravierende Belastungen eingeschätzt
[11]. Insbesondere reduzierte Interak-
tionen mit anderen Studierenden und
den Lehrenden werden von den Stu-
dierenden als negativ beschrieben [2,
15]. Aber auch die gestiegenen Anfor-
derungen an die Selbstlernkompetenzen
werden als Belastung empfunden. Die
Studierenden berichten über Probleme
bei der Konzentration, Motivation und
Selbstorganisation [1, 2] und über Unsi-
cherheiten oder Misserfolgsängste [12].
Hinzu kommt ein subjektiv wahrge-
nommener erhöhter zeitlicher Aufwand
für das Studium aufgrund der Umstel-
lung auf Online-Lehre [2]. Empirische
Studien zeigen u.a., dass die pandemie-
bedingten Belastungen im Studium in
einem signifikanten Zusammenhang mit
psychischen Problemen [22] stehen.
In Anknüpfung an das Vulnerabili-
täts-Stress-Modell können psychologi-
sche Faktoren wie Coping [18], Resilienz
[7] und soziale Unterstützung [23] als
potenzielle Ressourcen die psychischen
Störungen mit ihrer entsprechenden
Symptomatik unterhalb der Erkran-
kungsschwelle halten [20, S. 250].
Die Autorengruppe um Ye et al. [22]
hat den Einfluss vom Stresserleben durch
die COVID-19-Pandemie auf eine aku-
te Belastungsstörung unter Berücksich-
tigung eines mediierenden Effekts durch
Resilienz, Coping und soziale Unterstüt-
zung bei Studierenden untersucht. Die
Studie zeigt, dass die Ressourcen, den
Einfluss von Stresserleben auf die psychi-
sche Störung mindern (p < 0,001). Das
pandemiebedingte Stresserleben beein-
flusst die subjektive Verfügbarkeit der
genannten Ressourcen negativ, während
eine höhere Ressourcenverfügbarkeit mit
einer geringeren Ausprägung der psychi-
schen Störung in Verbindung gebracht
wird. Ye et al. [22] weisen auch nach,
dass Resilienz, Coping und soziale Unter-
stützung als Mediatoren zwischen pan-
Prävention und Gesundheitsförderung