NEUE HISTORISCHE LITERATUR / BUCHBESPRECHUNGEN ALLGEMEINES 731 Heike Paul, The Myths That Made America. An Introduction to American Stud- ies. Bielefeld, transcript 2014. 450 S., € 24,99. // doi 10.1515/hzhz-2015-0469 Claudia Schnurmann, Hamburg Mit ihrer Publikation verfolgt die Erlangener Amerikanistin Heike Paul das im Un- tertitel und in der Einleitung formulierte Ziel, ein Studienbuch für den innovativen Zugang zu American Studies bereitstellen zu wollen, „after all, this is a book for stu- dents of American studies“, dessen Konzept im Umfeld von Unterrichtseinheiten in München und Nürnberg überprüft und reflektiert wurde (S.9). Ebenso geschickt wie lesbar wird am Beispiel allgemein bekannter Stereotype und mystifizierter Personen und Begriffe aus dem reichhaltigen Fundus der US-ame- rikanischen Geschichte in spezielle Methoden und Forschungsfelder der American Studies eingewiesen. Den Anfang macht die routinierte Absteckung des Untersu- chungsareals. Aufbau, Argumentationslinien und Schlüsselbegriffe werden kurz vorgestellt und der allseits bekannte Umgang mit dem angeblichen American Excep- tionalism diskutiert. Hierbei übernimmt Paul etablierte Parameter, indem sie die ent- sprechende Formulierung aus Alexis de Tocquevilles Schrift „De la démocratie en Amérique“ von 1835/40 zitiert. Leider benutzt sie nicht das französischsprachige Original, sondern eine englischsprachige Übersetzung, in der mit nachhaltigen Fol- gen für die Annahme einer US-amerikanischen Besonderheit die Nuancen verscho- ben werden. Bei der Beschreibung US-amerikanischer Selbstperzeptionen arbeitet sie mit der Formulierung „the position of Americans was quite exceptional“ (S.14), während Tocqueville schrieb: „La situation des Américains est donc entièrement exceptionnelle, et il est à croire qu’aucun peuple démocratique n’y sera jamais placé“ (A. de Tocqueville, De la démocratie en Amérique. Paris 1840, Vol.2/1, Kapitel 9, 40). Nach einem kurzen Abriss zur Entwicklung der American Studies als einem Pro- dukt des Heißen bzw. Kalten Kriegs in der Phase des Aufbaus der NATO, der einschlä- gigen Termini, Theorien und einem Ausblick auf die Werke einiger herausragender Wegbereiter der Disziplin, wie Richard Slotkin, Annette Kolodny oder Henry Nash Smith, die mit ihren Arbeiten über die innige Verbindung von der Bedeutung von Land, exceptionalism und Mythos in der US-amerikanischen Gesellschaft den Ameri- can Studies seit den 1950er und 1960er Jahren wichtige Impulse verliehen (S.11–42), widmet Paul sich ihren eigentlichen Untersuchungsobjekten. Unter dem provokan- ten Titel „the Myths that made America“, den man mit gleicher Berechtigung zu „The Myths that America made“ umdrehen könnte, treffen Christopher Columbus Unauthenticated Download Date | 4/8/16 1:20 AM