Psychotherapeut 2012 · 57:326–334
DOI 10.1007/s00278-012-0928-6
O© Springer-Verlag 2012
Susanna Zarafonitis
1
· Michael Wagner
2
· Verena Pützfeld
1
· Julia Berning
2
·
Birgit Janssen
3
· Petra Decker
4
· Ronald Bottlender
4
· Hans-Jürgen Möller
4
·
Wolfgang Gaebel
3
· Wolfgang Maier
2
· Joachim Klosterkötter
1
· Andreas Bechdolf
1
1
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Köln
2
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Bonn
3
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Düsseldorf
4
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik München
Psychoedukation bei
Personen mit erhöhtem
Psychoserisiko
Ergebnisse einer randomisierten,
kontrollierten Studie
Kognitive Denk- und Wahrnehmungs-
störungen gehen den negativen af-
fektiven Zuständen, dem sozialen
Rückzug sowie Abstieg voraus und
kennzeichnen das erhöhte Psychose-
risiko im psychosefernen Prodromal-
stadium. Die Prodromalsymptoma-
tik manifestiert sich durch die Kon-
frontation mit einer Reihe zusätzli-
cher Stressoren. Im Rahmen der sog.
indizierten Prävention bei Personen
mit erhöhtem Psychoserisiko werden
den Betroffenen Interventionen mit
dem Ziel angeboten, das Auftreten
der psychotischen Erkrankung abzu-
schwächen oder gar zu verhindern.
Gerade in diesem Zusammenhang
kann die Psychoedukation entschei-
dend auf die weitere Entwicklung von
Personen mit erhöhtem Psychoserisi-
ko Einfluss nehmen.
Hintergrund und Fragestellung
Strategien der Früherkennung und -inter-
vention leisten einen substanziellen Bei-
trag zu einer besseren Prognose zahlrei-
cher nichtpsychiatrisch-medizinischer
Zustandsbilder (Adams et al. 2007; Peters
et al. 1996; Psaty et al. 2003). Insbesondere
der z. T. chronische Verlauf der schizo-
phrenen Störungen bildet das Rational für
die Adaptation dieser Strategien an den
Bereich der schizophrenen Psychosen.
Zudem weisen Befunde darauf hin, dass
prospektiv validierte Kriterien eines er-
höhten Psychoserisikos („ultra-high risk“,
UHR) in 22% der Fälle den Übergang in
eine Psychose innerhalb von 12 Monaten
vorhersagen (Fusar-Poli et al. 2012). Da-
mit ist die Voraussetzung für präventi-
ve Maßnahmen geschaffen. Im Rahmen
der sog. indizierten Prävention bei Perso-
nen mit erhöhtem Psychoserisiko werden
den Betroffenen Interventionen mit dem
Ziel angeboten, das Auftreten der psycho-
tischen Erkrankung abzuschwächen oder
gar zu verhindern (McGorry et al. 2003).
Derzeit liegen 5 publizierte abgeschlos-
sene randomisierte kontrollierte Studien
(„randomized controlled trial“, RCT) zu
den Patienten mit UHR vor. Diese umfas-
sen Untersuchungen von niedrig dosier-
ter Risperidongabe kombiniert mit kog-
nitiver Verhaltenstherapie (KVT; McGor-
ry et al. 2003), von KVT (Addington et al.
2011; Morrison et al. 2004), Olanzapint-
herapie (McGlashan et al. 2006) sowie
von einer ω3-Fettsäuren-Gabe (Ammin-
ger et al. 2010). In der ersten verfügbaren
Metaanalyse zu Interventionen bei Perso-
nen mit erhöhtem Psychoserisiko (Pre-
ti u. Cella 2010) berichteten die Autoren
eine signifikante Überlegenheit der spe-
zifischen Behandlungsbedingungen über
die Kontrollbedingungen, bezogen auf die
gepoolten Übergangsraten in die Psycho-
se nach 12 Monaten [11 vs. 31,6%, relatives
Risiko (RR) 0,36, 95%-Konfidenzintervall
(95%-KI): 0,22–0,59].
Eine weitere, insbesondere auch kos-
tengünstige und effektive Möglichkeit zur
Intervention von psychotischen Störun-
gen stellt schließlich auch die Psychoedu-
kation dar, indem Patienten, die Psycho-
edukation erhalten haben, weniger Rezi-
dive und Rehospitalisierungen (Lincoln
et al. 2007; Pekkala u. Merinder 2002; Xia
et al. 2011), eine verbesserte soziale sowie
globale Funktionsfähigkeit und verbes-
serte Lebensqualität im Gegensatz zu Pa-
tienten der Standardbehandlung aufwei-
sen (Xia et al. 2011). Gerade diese Vorzüge
gilt es auch bei der Frühintervention von
Risikopatienten zu etablieren. Bis auf eine
Pilotstudie von Hauser et al. (2009), die
in einem unkontrollierten Vorher-nach-
her-Vergleich eine signifikante Reduktion
der psychopathologischen Veränderun-
gen und fatalistischer Kontrollüberzeu-
Redaktion
J. Bäuml, München
G. Pitschel-Walz, München
H. Freyberger, Stralsund/Greifswald
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Psychotherapeut 4 · 2012
Schwerpunkt: Psychoedukation – Originalien