Übersicht 20 Zipfel S, Resmark G. Gibt es spezifische Wirkfaktoren … Psychother Psych Med 2015; 65: 20–24 eingereicht 6. Oktober 2014 akzeptiert 9. Oktober 2014 Bibliografie DOI http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0034-1394410 Psychother Psych Med 2015; 65: 20–24 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 0937-2032 Korrespondenzadresse Dr. Dipl.-Psych. Gaby Resmark Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Universitätsklinikum Tübingen Osianderstraße 5 72076 Tübingen gaby.resmark@med. uni-tuebingen.de Schlüsselwörter Psychotherapie Wirkfaktoren evidenzbasierte Behandlung Anorexia nervosa Essstörungen Keywords psychotherapy factors evidence-based treatment anorexia nervosa eating disorders Gibt es spezifische Wirkfaktoren in der Psychotherapie der Anorexia nervosa? Are there Specific Factors in the Psychotherapy of Anorexia nervosa? Autoren Stephan Zipfel, Gaby Resmark Institut Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen Einleitung In der Psychotherapie werden spezifische und allgemeine Wirkfaktoren unterschieden. Bei den spezifischen Faktoren handelt es sich um Thera- pieprinzipien, die abhängig vom speziellen The- rapieansatz sind, bzw. um Techniken, die im Rah- men des jeweiligen Ansatzes „theoretisch fun- dierte, empirisch überprüfte, intendierte und für den Therapeuten bewusste, steuerbare und ge- wünschte Prozesse in Gang setzen“ ([1], S. 158). Zu den spezifischen Wirkfaktoren in der Verhal- tenstherapie gehören z. B. aktive Hilfe zur Prob- lembewältigung und motivationale Techniken. Allgemeine Wirkfaktoren sind hingegen in jeder Form von Psychotherapie zielführend, unabhän- gig von therapiespezifischen, theoretisch begrün- deten Wirkfaktoren. Beispiele für allgemeine Wirkfaktoren sind Therapeut-Patient-Beziehung, Heilerwartung des Patienten, Respekt und wech- selseitiges Vertrauen. Grawe [2] postulierte im Rahmen seiner Allgemeinen Psychotherapie fol- gende 5 Wirkfaktoren als therapieschulenüber- greifend notwendige Voraussetzungen für das Gelingen von Psychotherapie: 1. therapeutische Beziehung 2. Ressourcenaktivierung 3. Problemaktualisierung 4. motivationale Klärung 5. Problembewältigung. Im Folgenden werden wir einen aktuellen Über- blick über Aspekte möglicher Wirkfaktoren bei Zusammenfassung Die vorliegende Literatursichtung untersucht die Frage nach der Differenzierung von allgemeinen und spezifischen Wirkfaktoren bei der Psycho- therapie der Anorexia nervosa. In den vergan- genen 10 Jahren haben sich verschiedene For- schungstendenzen gezeigt. Zum einen werden Subdifferenzierungen von neuen Therapiefor- men aus verschiedenen therapeutischen Schu- len propagiert (u. a. CBT-E, FPT), zum anderen werden generische, eher an den Bedürfnissen der Patienten orientierte Behandlungsmanuale publiziert (u. a. SSCM, TTM). Auf einem dritten Weg werden aktuell Therapiemanuale für be- sondere Subgruppen entwickelt, bspw. für chro- nische Patientinnen mit Anorexia nervosa oder familienbasierte Manuale für Adoleszente. Eine ganz andere Richtung verfolgen Ansätze, die auf neuropsychologischen Modellen und Defiziten bei Anorexia nervosa basieren. Insgesamt stim- men die Ergebnisse der aktuellen Studien eher optimistisch, dennoch gibt es keinen wirklichen Sieger, das Rennen ist offen! Abstract The present literature review examines the ques- tion of how general and specific factors can be differentiated in the psychotherapy of anorexia nervosa. Over the past 10 years different research trends have appeared. On the one hand subclas- sifications of new therapy approaches from seve- ral schools of therapy have been propagated (e. g. CBT-E, FPT), on the other hand generic treatment manuals have been published that are rather adapted to patients needs (e. g. SSCM, TTM). On a third way, currently therapy manuals for special subgroups have been developed, e. g. for chronic patients with anorexia nervosa or family-based manuals for adolescents. A completely different direction follows those approaches that are ba- sed on neuropsychological models and deficits in anorexia nervosa. Overall, the results of current studies have been promising, however, there has not been a winner yet, the race is still open! Heruntergeladen von: University of Illinois at Chicago. Urheberrechtlich geschützt.