Einleitung
In der Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall sind tech-
nisch unterstützende Verfahren seit vielen Jahren gut etabliert
[1]. Im Vordergrund steht dabei die Prämisse „Wer gehen ler-
nen will, muss gehen“. So zeigte die Arbeitsgruppe um Stefan
Hesse bereits 1995, dass ein repetitives Training von Gangbe-
wegungen mittels Laufband zu einer stärkeren Verbesserung
der Gehfähigkeit bei Schlaganfallpatienten führt als konventio-
nelle Physiotherapie [2].
Da der Laufband-Ansatz für schwerer betroffene Patienten
nicht optimal geeignet ist, wurden für diese Patienten alterna-
tive Lösungen gesucht [3]. Fast gleichzeitig haben sich hier zwei
technische Lösungen entwickelt. Durch die Berliner Arbeits-
gruppe wurde mit dem elektromechanischen Gangtrainer GT1
ein sogenanntes Endeffektorgerät entwickelt, bei dem die Tra-
jektorie des Gangzyklus vorgegeben und über ein Gurtsystem
der Köperschwerpunkt in vertikaler und horizontaler Richtung
kontrolliert wird. Als zweite technische Lösung wurde durch
eine Züricher Arbeitsgruppe mit dem Lokomat ein Exoskelett
entwickelt, bei dem durch Motoren Knie und Hüftgelenke ge-
steuert werden und der Patient, auch bei vollständiger Quer-
schnittslähmung auf dem Laufband Gangübungen machen
kann.
Diese Ansätze können mittlerweile als klar evidenzbasiert
klassifiziert werden. Im Rahmen der Leitlinieninitiative der
Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation wurde 2015
Technische Entwicklungen zur Rehabilitation der Mobilität
Technical Developments for Rehabilitation of Mobility
Autoren
Christian Dohle
1,2
, Friedemann Müller
3
, Klaus Martin Stephan
4
Institute
1 MEDIAN Klinik Berlin-Kladow, Berlin
2 Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, Charité –
Universitätsmedizin Berlin
3 Schön Klinik Bad Aibling, Bad Aibling
4 SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen, Bad Wimpfen
Schlüsselwörter
gerätegestützte Rehabilitation, Mobilität, Wirksamkeit,
Hygiene, Robotik
Key words
technically-assisted rehabilitation, mobility, robotics,
effectiveness, hygiene
Bibliografie
DOI https://doi.org/10.1055/s-0043-109095 |
Akt Neurol 2017; 44: 549–554
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
ISSN 0302-4350
Korrespondenzadresse
Dr. med. Christian Dohle, M. Phil., MEDIAN Klinik
Berlin-Kladow, Kladower Damm 223, 14089 Berlin
christian.dohle@median-kliniken.de
ZUSAMMENFASSUNG
In der Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall sind
technisch unterstützende Verfahren seit vielen Jahren gut
etabliert und evaluiert. Belastbare Wirksamkeitsnachweise
liegen vor für stationäre Endeffektorgeräte und Exoskeletts
sowie für Laufbandtraining mit und ohne Gewichtsent-
lastung. Neue technische Entwicklungen ermöglichen die
frühe Vertikalisierung im funktionellen Kontext bereits auf
der (Intensiv-)Station. Zudem existieren mittlerweile ver-
schiedene mobile Exoskelette, deren dezidierte Wirksam-
keit allerdings noch belegt werden muss. Im klinischen Ein-
satz müssen neben einer anzustrebenden hohen Zahl an
Repetitionen auch motivationale Aspekte stärker betont
werden. Hier bieten sich Techniken der virtuellen Realität
an. Für den praktischen Einsatz im klinischen Alltag sind
hygienische Aspekte zu berücksichtigen. Für alle Neuent-
wicklungen ist der Einsatz in einem sinnvollen und reprodu-
zierbaren Gesamtkonzept zu definieren.
ABSTRACT
Technically-assisted rehabilitation of mobility after stroke is
well established for several years. There is good evidence
for the use of end-effector devices, exoskeletons and tread-
mill training with and without body weight support. New
developments provide the possibility of functional training
during mobilisation already in intensive care units. Mobile
exoskeleton devices have been developed, but their clinical
effects are yet to be evaluated. All devices should focus not
only on increasing the number of repetitions, but also in-
clude motivational aspects such as virtual reality environ-
ments. Hygienic aspects represent a special challenge. All
devices should be integrated into a rational and clearly de-
fined therapy concept.
Übersicht
Dohle Christian et al. Technische Entwicklungen zur … Akt Neurol 2017; 44: 549–554
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