Publiziert unter: Alexander Dietz und Daniel Wegner, Ein Ausdruck lebendiger und öffentlicher Kirche. Evaluation des gemeinwesendiakonischen DRIN-Projekts der Diakonie Hessen und der EKHN, gemeinsam mit D. Wegner, in: I. Hübner, S. Keller, K. Merle, T. Moos, C. Zarnow, S. Merle, Religion im Sozialraum. Sozialwissenschaftliche und theologische Perspektiven, Stuttgart 2023, S. 260-275. // Seite 260 // Ein Ausdruck lebendiger und öffentlicher Kirche Evaluation des gemeinwesendiakonischen DRIN-Projekts der Diakonie Hessen und der EKHN Alexander Dietz und Daniel Wegner 1. Einleitung Armut und Ausgrenzung bekämpfen und dabei offene und öffentliche Kirche im Gemeinwesen sein wie kann das gelingen? In Zusammenarbeit haben die Diakonie Hessen und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zwischen 2016 und 2019 das Projekt DRIN Dabei sein, Räume entdecken, Initiativ werden, Nachbarschaft gestaltendurchgeführt, um die Entwicklung gemeinwesendiakonischer Projekte in der Zusammenarbeit von Kirche, Diakonie und weiteren Kooperationspartner zu fördern und in der Wahrnehmung des kirchlich- diakonischen Grundauftrags gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und die Bekämpfung von Armut zu fördern. Damit schließt das DRIN-Projekt an die jüngere Geschichte der Gemeinwesendiakonie an, die in den siebziger Jahren als kirchliche Gemeinwesenarbeit eine Blütezeit erlebte. Gemeinwesenorientierte, gesellschaftsdiakonische und sozialanwaltschaftliche Ansätze fanden damals Eingang in die Handlungskonzepte vieler Kirchengemeinden. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wurden von Kirchengemeinden speziell für Gemeinwesenarbeit neu angestellt. Das kirchliche Bildungszentrum Burckhardthaus in Gelnhausen spezialisierte sich auf die Weiterbildung von Sozialarbeitenden und Pfarrerpersonen in Gemeinwesenarbeit und gemeinwesenorientiertem Gemeindeaufbau (dem es nicht um die Steigerung des Gottesdienstbesuchs, sondern um sozialräumliche Öffnung und Mitgestaltung geht). Auch die kirchlichen Fachhochschulen nahmen das Thema verstärkt in ihre Lehrpläne auf. In den achtziger und neunziger Jahren verlor der gemeinwesenorientierte Ansatz dem veränderten Zeitgeist geschuldet in der Kirche zunächst wieder an Relevanz. Aber im Jahr 2007 veröffentlichte der Diakonie-Bundesverband ein Positionspapier mit dem Titel „Handlungsoption Gemeinwesendiakonie“. Und seitdem erlebt das Thema Gemeinwesenarbeit unter der Bezeichnung „Gemeinwesendiakonie“ einen regel- // Seite 261 // rechten Boom im kirchlichen Bereich. Seit 2011 läuft das ökumenische Kooperationsprojekt „Kirche findet Stadt“, bei dem an über 1.200 Projektstandorten gemeinwesendiakonisch experimentiert wird. Nach und nach bewilligen die einzelnen Landeskirchen (z.B. Bayern, Kurhessen-Waldeck, Hessen-Nassau, Hannover, Bremen) beträchtliche finanzielle Mittel für Projekte, die Kirchengemeinden und diakonischen Trägern Anreize dazu geben sollen, gemeinwesendiakonisch aktiv zu werden. 1 1 Vgl. Alexander Dietz, Theologische Begründungen der Gemeinwesendiakonie, in: Dietz, Alexander / Höver, Hendrik (Hg.): Gemeinwesendiakonie und Unternehmensdiakonie, Berlin 2019, 9-29, 11-13.