Sammelbesprechungen 433 Perspektiven der Gerechtigkeits- forschung - zwi- schen „Sollen" und „Sein" OLAF GROH-SAMBERG MATTHIAS GRUNDMANN CHRISTOPH BUTTERWEGGE / MICHAEL KLUNDT (Hrsg), Kinderar- mut und Generationengerechtigkeit. Familien- und Sozialpolitik im demo- grafischen Wandel. Opladen: Leske + Budrich 2002, 244 S„ kt. EUR 18,50 DANIEL EICHLER, Armut, Gerechtigkeit und soziale Grundsicherung. Ein- führung in eine komplexe Problematik. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001,224 S., kt. EUR 23- CHRISTOPH HORN / NICO SCARANO (Hrsg), Philosophie der Gerechtig- keit. Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2002, 512 S.,kt. EUR 17- PETER KOLLER (Hrsg), Gerechtigkeit im politischen Diskurs der Gegen- wart. Wien: Passagen-Verlag 2001, 336 S., kt. EUR 41- STEFAN LIEBIG / HOLGER LENGFELD (Hrsg), Interdisziplinäre Gerech- tigkeitsforschung. Zur Verknüpfung empirischer und normativer Perspekti- ven. Frankfurt a. M./New York: Campus 2002, 316 S., kt. EUR 34,40 Gerechtigkeit hat wieder Konjunktur. Das ist nicht nur auf den ersten Blick verblüffend. So meldet die Armuts-, Ungleichheits- und Bildungssoziologie stichhaltige Belege für die wachsenden Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft, während sich die gesellschaftlichen Eliten im Grunde einig sind, dass das Sys- tem der sozialen Sicherungen in seiner überkommenen Gestalt nicht mehr fi- nanzierbar ist und in Richtung auf mehr Eigenverantwortung und Marktsteue- rung umgebaut werden muss, was zu weiteren, bislang ungekannten sozialen Härten in Deutschland führen wird. In dieser Situation erscheint es von beson- derem Interesse, normative und empirische Perspektiven der Gerechtigkeitsdis- kussionen im Sinne einer interdisziplinären Gerechtigkeitsforschung miteinan- der zu verknüpfen. Überblickt man jedoch die (inter-)disziplinären Forschungen zum Thema Gerechtigkeit, so lassen sich drei thematische Hauptstränge unterscheiden, die nach wie vor relativ isoliert voneinander diskutiert werden: Der erste Diskus- sionsstrang setzt bei den Verteilungsordnungen oder -prinzipien an und fragt grundsätzlich danach, wie eine soziale gerechte Verteilung aussehen könnte. Da es um die normative Begründung sozialer Gerechtigkeitskonzeptionen geht, wird dieser Diskurs vor allem innerhalb der Philosophie ausgetragen. Er hat na- türlich insbesondere durch die Gerechtigkeitstheorie John Rawls und ihrer Kontrahenten wichtige Impulse erhalten. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/2/15 3:40 AM