Sportwiss 2009 · 39:281–282
DOI 10.1007/s12662-009-0082-7
Online publiziert: 26. November 2009
© Springer Medizin Verlag 2009
Michael Krüger
1
· Eike Emrich
2
1
Institut für Sportwissenschaft, Universität Münster
2
Sportwissenschaftliches Institut, Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Für einen besseren
Schulsport
Zu diesem Heft
Das anlässlich des Hochschultags in
Münster Mitte September beschlossene
„Memorandum zum Schulsport“ setzt
Maßstäbe und kann an eine bewährte
Tradition anknüpfen. Seit im Jahr 1956
die Empfehlungen zur Förderung der Lei-
beserziehung an Schulen gemeinsam vom
Deutschen Sportbund, von den Kultusmi-
nistern der Länder und den kommunalen
Spitzenverbänden verabschiedet worden
waren, haben sich die Dachorganisatio-
nen des Sports, der Sportpädagogik, der
Sportwissenschaft sowie der Leibeserzie-
herinnen und Leibeserzieher bzw. Sport-
pädagoginnen und Sportpädagogen stets
als Interessenvertreter des Schulsports
verstanden und in regelmäßigen Abstän-
den eine Verbesserung der Situation des
Schulsports angemahnt. Zum ersten Mal
geschah dies am 19. Juli 1965, als Willi
Daume, damals Präsident des DSB, dem
Vorsitzenden der Kultusministerkon-
ferenz, Prof. Dr. Wilhelm Hahn aus Ba-
den-Württemberg, ein „Memorandum
zum Stand der schulischen Leibeserzie-
hung“ überreichte. Friedrich Mevert hat
kürzlich im DOSB-Pressedienst an diese
Denkschrift erinnert.
Vergleicht man dieses Dokument mit
dem aktuellen Schulsportmemorandum,
zeigt sich, dass der Schulsport eine Dauer-
aufgabe und somit ständige Herausfor-
derung für die Pädagogik und das schuli-
sche Bildungswesen ist. Natürlich haben
sich die Zeiten und Verhältnisse gewan-
delt. Gleichwohl haben auch die Kinder
der Medien- und Internetgeneration ein
Recht auf ausreichend Bewegung, Spiel
und Sport in der Schule. Dazu braucht
man nicht nur moderne Turn- und Sport-
hallen, Sportplätze, Freianlagen, Spiel-
plätze und Pausengelände, die zum Spie-
len und Bewegen anregen, sondern auch
Lehrerinnen und Lehrer, die gut ausgebil-
det sind und für die Rechte der Kinder auf
Bewegung, Spiel und Sport in einer Schule
eintreten, die schon längst in Teilen wie-
der zu einer zwanghaften und verkopften
Paukschule geworden ist.
Der unter dem Leitthema Bildung ste-
hende Hochschultag in Münster und das
dort verabschiedete Schulsportmemoran-
dum sind deshalb ein wichtiges Signal für
die Öffentlichkeit und die Entscheidungs-
träger in der Bildungs- und Finanzpolitik,
aber auch für die Sportwissenschaft an den
Universitäten: Wir brauchen nicht weni-
ger, sondern mehr Sportpädagogik; ei-
ne Sportpädagogik, die sowohl die Schul-
sportwirklichkeit im Blick hat und solide
sportpraktische Kompetenzen vermittelt
als auch Visionen eines besseren Schul-
sports entwickeln kann. Die Tendenz ei-
niger Sportinstitute, zu denen selbst sol-
che gehören, an denen einst die deutsche
Sportpädagogik und Sportwissenschaft
begründet wurde, die Sportlehrerausbil-
dung in die zweite Reihe zu verbannen,
ist fatal. Wissenschaftliches Studium und
praxisnahe Ausbildung von Sportlehre-
rinnen und Sportlehrern für die Schulen
bleiben eine zentrale Aufgabe der Sport-
wissenschaft. „Die Ausbildung von künf-
tigen Sportlehrerinnen und Sportlehrern
darf nicht zum ungeliebten Ballast wer-
den“, kommentierte die neue dvs-Präsi-
dentin Prof. Dr. Dorothee Alfermann die-
se Entwicklung.
Zum Gedenken
an Herrmann Rieder
Für eine Sportwissenschaft, die sich der
Bedeutung ihres pädagogischen Funda-
ments bewusst ist, setzte sich zeitlebens
Prof. Dr. Hermann Rieder ein, der am
22. August mit 81 Jahren verstorben ist.
Er zählte zu den Gründervätern der bun-
desdeutschen Sportwissenschaft und hat
auf vielen Feldern von Sport und Sport-
wissenschaft gearbeitet: als erfolgreicher
Leichtathlet, Studentenweltmeister im
Jahr 1952 und deutscher Speerwurfmeis-
ter, als Pädagoge und Psychologe, als Di-
rektor des Heidelberger Sportinstituts,
als erster Direktor des Bundesinstituts
für Sportwissenschaft und – last but not
least – als langjähriges Gründungsmit-
glied im Herausgeberkollegium der Zeit-
schrift Sportwissenschaft. Am Ende seines
Lebens für den Sport hat er auch noch die
Sportgeschichte entdeckt und als experi-
menteller Archäologe die 400.000 Jah-
re alten Wurfspeere von Schöningen im
Harz getestet. Mit Hermann Rieder haben
Sport und Sportwissenschaft einen groß-
en, fairen Sportsmann, Freund, Kollegen
und Wegbegleiter verloren. Ihm möch-
ten wir dieses Heft der Sportwissenschaft
widmen, das wieder eine bunte und an-
spruchvolle Mischung aus fachwissen-
schaftlichen Artikeln, Essays, Diskussio-
nen, Besprechungen und Berichten ent-
hält, die ihm sicher gefallen hätte.
Wolfgang Buss erinnert an die Anfän-
ge einer vollakademischen Sportlehrer-
ausbildung an Universitäten vor 80 Jah-
ren; Thomas Horky setzt sich mit dem
Mediensport und Mediensportarten aus-
einander; Sabine Kubesch und Laura Walk
vertiefen die Forschungen zum Verhält-
nis von körperlichem und kognitivem
Training; Volker Lippens und Volker Na-
gel achten darauf, dass die Balance gehal-
ten wird, und Sabine Reuker bemüht sich
um Antworten auf die Frage nach sozia-
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