Romanische Forschungen 134/4, 2022, 538-543 Rezension von: Peter, Benjamin: L’andalú – Sprache, Dialekt oder lokale Mundart? Zur diskursiven Konstruktion des Andalusischen. Berlin/Boston: De Gruyter 2020, XIX + 415 S. (Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie, 444). Benjamin Peter widmet sich in der hier zu rezensierenden Monographie den aktuellen Prozessen der „Revalorisierung“ und „Reifikation“ der andalusischen Varietäten und geht der Frage nach, „auf welche Weise in Andalusien das Andalusische im postfranquistischen Spanien als Varietät mittels salienter Merkmale konstruiert und in den letzten Jahrzehnten neu bewertet wird“ (S. 1). Das Buch stellt eine aktualisierte Version seiner im Juni 2018 vorgelegten Dissertation dar, 1 die im Jahr 2019 mit dem Werner-Krauss-Preis des Deutschen Hispanistenverbandes ausgezeichnet wurde. Es handelt sich um eine Studie, die den Untersuchungen von Jannis Harjus (2018) und Ígor Rodríguez Iglesias (2019) zur Seite gestellt werden kann und damit durchaus eine neue „Welle“ der Andalusistik miteinleitet. Diese drei Studien grenzen sich gegenüber dem objektivistischen wissenschaftlichen Diskurs um die „Devianz des Andalusischen vom Standardspanischen“ (S. 4) ab und beschreiten neue Wege, indem die Trennung der Sprachtätigkeit von den Sprecher*innen überwunden wird und neue Perspektiven und Methoden im Rahmen der konstruktivistischen und postkolonialistischen Paradigmata, u. a. der perzeptiven Varietätenlinguistik sowie der kritischen Soziolinguistik (Sprachideologien, Ethnographie der Kommunikation, Glottopolitik), Anwendung finden. Die Studie ist übersichtlich und logisch strukturiert: Der theoretisch-methodologische Teil (Kapitel 2-5) umfasst eine Darstellung der relevanten Ansätze und Grundannahmen innerhalb der Diskurs-, Sozio-, Varietätenlinguistik und Sprachsoziologie. Die Positionierung des Kapitels 3 mit dem Titel „Das Andalusische als strukturelle Varietät“ relativ zu Beginn des theoretischen Teils (denkbar wäre z. B. eine engere Anbindung an das Kap. 7 „Das Andalusische als diskursive Varietät“) wird durch die Notwendigkeit der Darstellung der wichtigsten in der Forschung festgehaltenen Merkmale begründet, die in den darauf folgenden Kapiteln im Hinblick auf ihre Konstruktion als Indices analysiert werden. Bereits bei der Komposition der Studie geht der Verfasser neue Wege, z. B. verzichtet er bewusst auf die standardmäßige und häufig starre Darstellung des Forschungsstandes in einem eigenen Kapitel. 1 Die Rezensentin fungierte als externes Mitglied der Promotionskommission. Ein Betreuungsverhältnis bestand zu keinem Zeitpunkt.