91 Qualifkation, Entwertung, Diskriminierung. Zur Arbeitsmarktintegration von Migranten aus dem subsaharischen Afrika und ihrer Erklärung Qualifikation, Entwertung, Diskriminierung. Zur Arbeitsmarktintegration von Migranten aus dem subsaharischen Afrika und ihrer Erklärung Annika Elwert und Frederik Elwert 1. Einleitung und Überblick Die Teilhabe am Arbeitsmarkt spielt in modernen Gesellschaften eine zentrale Rolle. Die Sicherung des Lebensunterhalts und die soziale Sicherung sind in starkem Maße von der Positionierung auf dem Arbeits- markt abhängig. Auch in der Migrationsforschung wird daher die Arbeits- marktplatzierung von Migranten als zentraler Aspekt der Integration in die Aufnahmegesellschaft betrachtet. Für die Migranten selbst ist der Zugang zum Arbeitsmarkt eine ganz konkrete Frage der eigenständigen Sicherung des Lebensunterhalts und des Lebensstils. 1 Statistische Daten zeigen dabei, dass Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt stark benachteiligte Positionen einnehmen. In allen relevan- ten Indikatoren (Einkommen, Arbeitslosigkeit, Stellung im Beruf und Ähn- liches) sind Migranten schlechter gestellt als die autochthone Bevölkerung (Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Inte- gration 2007: 57). Dabei fokussiert sich die Migrationsforschung bislang überwiegend auf Migranten aus den ehemaligen Anwerbeländern, die sogenannten Gastarbeiter. Erklärungen ihrer schlechten Position auf dem Arbeitsmarkt basieren oftmals auf dem Humankapitalansatz: Da überwie- gend gering Qualifizierte im Rahmen der Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre nach Deutschland gekommen seien, nähmen sie in Bezug auf Bildung und infolge dessen auf die Arbeitsmarktplatzierung schwächere Positionen ein (Granato/Kalter 2001). Über die Arbeitsmarktpositionen afrikanischer Migranten liegen dagegen nur wenige Untersuchungen vor. Ein Grund hierfür ist auch in der schlechten Datenlage zu sehen. Dies erschwert, detaillierte Aussagen über die Arbeitsmarktintegration afrika- nischer Migranten zu treffen. Die Debatte über die Arbeitsmarktintegration dieser Migranten- gruppe findet vor dem Hintergrund einer Debatte um den „brain drain“ 1 Zu Aspekten der kulturellen, sozialen und identifikativen Integration afrikanischer Migran- ten siehe Baier/Robold in diesem Band.