Originalarbeit
Integratives Schwebstoffmonitoringkonzept – Innovative Ansätze auf Basis direkter und indirekter Methoden 535
Zusammenfassung In dieser Arbeit wird
die an österreichischen Fließgewässern
angewendete Monitoringstrategie zur
Erfassung des Schwebstofftransportes
vorgestellt, welche an Schwebstoffmess-
stellen des Österreichischen Basismess-
netzes verpflichtend anzuwenden ist und
im Leitfaden „Schwebstoffe im Fließge-
wässer“ zur Erfassung des Schwebstoff-
transportes veröffentlicht wurde. Um die
zeitliche und räumliche Veränderung
des Schwebstofftransportes zu erfassen,
wird eine Kombination aus direkten
und indirekten Methoden angewendet.
Die verwendeten Messmethoden und
die Verknüpfung dieser Messverfahren
während der Auswertung über Korrek-
turfaktoren werden in diesem Artikel er-
läutert. Dieses Monitoringkonzept wurde
beispielhaft an der Messstelle Hainburg
Straßenbrücke/Donau angewendet und
es wurde ein Vergleich bezüglich unter-
schiedlicher Umrechnungsfaktoren
durchgeführt. Die Ergebnisse werden in
Bezug auf Jahres- und Monatsfrachten
für die Jahre 2008 und 2009 präsentiert.
Schlüsselwörter: Schwebstoff,
Integrative Monitoringmethode,
Trübungssonde, Frachtermittlung
Integrative suspended sediment
monitoring concept: innovative ap-
proaches on the basis of direct and
indirect methods
Abstract is work presents the Aus-
trian monitoring strategy for measuring
suspended sediment transport in riv-
ers, the application of which is manda-
tory at the measurement sites of the Aus-
trian monitoring network provided by
the hydrological service and which was
published in “Suspended sediments in
rivers—guidelines for the monitoring of
suspended sediments.” In order to deter-
mine the temporal and spatial variability
of the suspended sediment transport a
combination of direct and indirect meth-
ods is used. e monitoring methods ap-
plied and their interrelation during the
data processing via correction factors are
described. e monitoring concept was
implemented at the Hainburg Straßen-
brücke/Donau measurement site, where
a comparison involving different conver-
sion factors was performed. e results
of annual and monthly load calculations
are presented for the years 2008 and 2009
Keywords: Suspended sediment,
Integrative monitoring method,
Turbidity sensor, Load estimates
1. Einleitung
Schwebstoffmonitoring wird in Öster-
reich schon seit Jahrzehnten, an der
Donau vor allem für den Kraftwerksbau
seit den 1960er-Jahren, betrieben. Diese
Messungen basieren auf Schwebstoffpro-
benentnahmen, die lediglich an einem
Punkt im Gewässer gewonnen wurden
(Prazan 1994; Gruber 1973). Da diese
Daten als lange Zeitreihen vorliegen,
sind sie von besonderer Bedeutung für
Trendanalysen oder die Beurteilung des
Einflusses des Kraftwerksbaus und des
Kraftwerkbetriebs auf den Schwebstoff-
transport. Jedoch kann diese Methode
nicht den Genauigkeitsansprüchen
gerecht werden, die zum Beispiel die
Schwebstofftransportmodellierung an
die Daten stellt oder die notwendig sind,
um flussbauliche Maßnahmen evaluieren
zu können. Da das Feststoffmonitoring
schon im Hydrographiegesetz gefordert
war, wurde dieses in konkretisierter Form
bei der Implementierung der Wasser-
rahmenrichtlinie (WRRL 2000/60/EG) in
das Wasserrechtsgesetz (WRG 1959 i. d. F.
BGBl. I Nr. 14/2003) übernommen und
ist somit gesetzlich verpflichtend umzu-
setzen (im Detail ist dieses in der Wasser-
kreislauferhebungsverordnung geregelt).
Dies wurde zum Anlass genommen, ein
neues Konzept zur Erfassung des Schweb-
stofftransportes zu entwickeln. Mit dieser
Monitoringstrategie sollte es möglich
sein, u. a. die Einträge nach und Austräge
aus Österreich sowie die Einträge in aus-
gewählte Seen zu erfassen. Weiters soll
die Abschätzung von Erosionsraten bzw.
des Schwebstoffabtrags in ausgewählten
Einzugsgebieten und von Klimaeinflüs-
sen auf die Erosions- und Transportpro-
zesse – durch die Erstellung langfristiger
Reihen – ermöglicht werden. Die erho-
benen Daten sollen für wasserwirtschaft-
liche, wasserbauliche und ökologische
Problemstellungen zur Verfügung gestellt
werden (BMLFUW 2008).
In dieser Arbeit werden die innovati-
ven Ansätze beim Schwebstoffmonitoring
erläutert, die für den Leitfaden „Schweb-
stoffe im Fließgewässer“ (BMLFUW 2008)
zur Erfassung des Schwebstofftransportes
und in Folge weiterentwickelt wurden
(Habersack et al. 2012; Haimann et al.
2012). Diese sind an den Basismessstellen
des Hydrographischen Dienstes Öster-
reichs verpflichtend anzuwenden, wobei
in der Arbeitsgruppe „Feststoffmessung
im Hydrographischen Dienst“ die inno-
vativen Ansätze abgestimmt werden. Die
Messmethodik wird kurz beschrieben,
weiters werden die Anwendung und die
Österr Wasser- und Abfallw (2012) 64:535–543
DOI 10.1007/s00506-012-0038-2
Integratives Schwebstoffmonitoringkonzept –
Innovative Ansätze auf Basis direkter und indirekter
Methoden
Marlene Haimann, Marcel Liedermann, Achim Naderer, Petra Lalk, Helmut Habersack
DI M. Haimann () · M. Liedermann ·
H. Habersack
Christian Doppler Labor für Innovative
Methoden in Fließgewässermonitoring,
Modellierung und Flussbau, Institut
für Wasserwirtschaft, Hydrologie und
konstruktiven Wasserbau, Department für
Wasser - Atmosphäre – Umwelt, Universität
für Bodenkultur Wien,
Muthgasse 107, 1190 Wien, Österreich
E-Mail: marlene.haimann@boku.ac.at
A. Naderer
via donau – Österreichische Wasserstraßen-
Gesellschaft mbH,
Wien, Österreich
P. Lalk
Abteilung VII/3 – Wasserhaushalt,
Bundesministerium für Land-
und Forstwirtschaft, Umwelt und
Wasserwirtschaft, Wien, Österreich
Online publiziert: 31. Oktober 2012
© Springer-Verlag Wien 2012