92 Eine vergoldete Scheibenfibel aus Gars-Thunau, Niederösterreich Überregionale Netzwerke von Eliten des 9. bis 10. Jahrhunderts in Europa Hajnalka Herold Der Fundort und die Fibel 1 Gars-Thunau ist eine mehrphasige befestigte Sied- lung im nördlichen Niederösterreich (Abb. 1), die 1965 bis 2003 großflächig archäologisch erforscht wurde (Abb. 2). Vor und nach dieser Zeit fanden kleiner ange- legte archäologische Feldforschungen an der Fundstelle statt (zusammenfassend z. B. Friesinger/Friesinger 1991, Herold 2015, Nowotny u. a. 2018, Nowotny 2019). Neben anderen Besiedlungsphasen ist eine frühmittelalterliche Phase nachge- wiesen, die vor allem ins 9. Jahrhundert datiert, mit möglichem Anfang im 8. und möglichem Ende im 10. Jahrhundert. Für diese frühmittelalterliche Phase ist eine mit Palisaden umgebene Herrenhofan- lage belegt, die neben vermutlich von Oberflächenbauten stammenden Über- resten (Herold 2008) auch ein Gräberfeld (Nowotny 2019) beinhaltet. Ebenfalls sind großräumig angelegte frühmittelalterliche Befestigungswälle vorhanden, die zum Teil eine bronzezeitliche Befestigung überla- gern. Sowohl außerhalb als auch innerhalb der Befestigungswälle finden sich weitere Spuren frühmittelalterlicher Besiedlung (Cech 2001); westlich der Befestigung sind Hügelgräber belegt (Breibert 2013). Die hier vorgestellte Scheibenfibel wurde 1997 bei Aus- grabungen in Gars-Thunau im Schnitt 370 freigelegt (Abb. 2). Ein eindeutiger Befundzusammenhang wurde nicht dokumentiert. Sowohl die Vorderseite als auch die Rückseite der Fibel bestehen aus Buntmetall (Abb. 3–7). Die Vorderseite aus Pressblech hat getriebene Verzie- 1 Lage von Gars-Thunau (Grafik: Hajnalka Herold)