Policy Brief Nr. 31, April 2016 Policy Brief Nr. 31, April 2016 1 1. Einleitung Die Arbeitsproduktivität gilt als einer der wichtigsten Indikatoren für die Wettbewerbsfähigkeit von Volks- wirtschaften. Zusammen mit der Inflationsrate stellt die Arbeitsproduktivität die Basis für die Entwicklung der Nominallöhne dar. Oder, in anderen Worten, die Real- löhne sollten sich im Einklang mit der Arbeitsproduktivi- tät entwickeln, um die internationale Wettbewerbsfä- higkeit des Wirtschaftsstandorts zu erhalten. In diesem Beitrag wird die Entwicklung der Arbeitsproduktivität in Österreich im europäischen Vergleich während der vergangenen 16 Jahre analysiert. Der Untersuchungs- zeitraum umfasst auf aggregierter Ebene die Periode 2000 bis 2015. Für den Zeitraum vor dem Jahr 2000 sind aufgrund der Umstellung auf das ESVG2010 keine kon- sistenten Daten für den EU- und den Euroraum- Durchschnitt vorhanden. Neben der gesamtwirt- schaftlichen Betrachtung wird auch die Entwicklung in einzelnen Branchen in den Fokus genommen. Auf sektoraler Ebene waren zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags nur Daten bis zum Jahr 2014 verfügbar. Die sektorale Betrachtung ist wichtig, da für die inter- nationale Wettbewerbsfähigkeit vor allem jene Wirt- schaftsbereiche entscheidend sind, die sich im globa- len Wettbewerb befinden. Dies trifft vor allem auf das Verarbeitende Gewerbe und hier für Österreich be- sonders auf die chemische Industrie, den Maschinen- bau, die Metallerzeugung und –bearbeitung sowie den Fahrzeugbau zu. Zunächst sollen das Konzept der Arbeitsproduktivität und ihre Einflussfaktoren erörtert werden. Dieser Beitrag baut auf den Analysen in Pashev et al. (2015) sowie EU (2015) auf. Dort wird die Entwicklung der Arbeitsproduktivität in der EU unter- sucht, während im vorliegenden Beitrag der Fokus auf Österreich im europäischen Kontext liegt. 2. Produktivität als Maß für die Wettbewerbsfähigkeit Allgemein wird mit Produktivität der Output je Input- einheit bezeichnet. Folgerichtig misst die Arbeitspro- duktivität, wie viel Output eine Arbeitskraft produziert oder wie viel in einer Arbeitsstunde erzeugt werden kann. In gesamtwirtschaftlicher Betrachtung ist der Output in der Regel das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP), auf sektoraler Ebene die Bruttowertschöpfung. Aufgrund der steigenden Bedeutung der Teilzeitarbeit ist die Stundenproduktivität aussagekräftiger als die Produktivität je Erwerbstätigen. Die Arbeitsproduktivität stellt einen der wichtigsten In- dikatoren der Wettbewerbsfähigkeit von Unterneh- men, Branchen und letztlich der Volkswirtschaft als Ganzes dar. Die Produktivität ist deshalb so wichtig, Analyse der Produktivität Österreichs im internationalen Vergleich Klaus Weyerstraß Institut für Höhere Studien (IHS) Im vorliegenden Beitrag wird die Entwicklung der Arbeitsproduktivität in Österreich im europäischen Vergleich analysiert. Es zeigt sich, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion je Erwerbstätigen im Zeitraum 2000 bis 2015 in Österreich hinter dem EU- und Euroraum-Durchschnitt zurückgeblieben ist. Auch in Deutschland und der Schweiz stieg die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen in diesem Zeitraum stärker als in Österreich. Anders ist das Bild, wenn die Produktivität je Arbeitsstunde betrachtet ist. Hier liegt Österreich über dem europäischen Durchschnitt und auch vor Deutschland und der Schweiz. Dies ist aber darauf zurückzuführen, dass die Zahl der geleisteten Ar- beitsstunden in Österreich stärker als in anderen Ländern gesunken ist, wodurch die Kostenbelastung je Stunde steigt. Ein wesentlicher Bestimmungsfaktor der Arbeitsproduktivität ist die totale Faktorproduktivität (TFP), die wie- derum als wichtiger Indikator für den technischen Fortschritt einer Volkswirtschaft gilt. Beim Wachstum der TFP ist Österreich in letzter Zeit deutlich hinter den EU-Durchschnitt und hinter Deutschland und die Schweiz zurückgefal- len, was Reformbedarf zur Steigerung der Innovationskraft signalisiert. Niedriges Produktivitätswachstum resultiert in überdurchschnittlich steigenden Lohnstückkosten. Bildung, Forschung und Innovation sowie ein funktionieren- der Wettbewerb sind wichtige Faktoren zur Förderung des Produktivitätsfortschritts.