ANGEWANDTE GEOGRAPHIE
https://doi.org/10.1007/s00548-021-00712-y
Standort (2021) 45:89–95
Zukunftsweisende Mobilitätssysteme des Steirischen Zentralraums –
Erkenntnisse aus städtisch-ländlicher kommunaler Zusammenarbeit
Lisa Bauchinger
1
· Theresia Oedl-Wieser
1
· Thomas Dax
1
· Anna Reichenberger
2
·
Kerstin Hausegger-Nestelberger
2
Eingegangen: 26. September 2020 / Überarbeitet: 29. April 2021 / Angenommen: 30. April 2021 / Online publiziert: 15. Juni 2021
© Deutscher Verband für Angewandte Geographie (DVAG) 2021
Zusammenfassung
Der Steirische Zentralraum stellt eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen Österreichs dar. Die starke Verflechtung zwi-
schen den ländlichen und peri-urbanen Gebieten mit der Stadt Graz zeigt sich insbesondere in starken Pendlerströmen. Der
Druck auf die Stadtregion wird immer größer, Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu bieten und zwingt die
Entscheidungsträger*innen zum Handeln, um diese Entwicklungen zu entschärfen. Das Regionalmanagement Steirischer
Zentralraum hat in den letzten Jahren dazu mehrere Pilotprojekte gestartet, die in einem Multi-Level Governance-Ansatz
die Mobilitätsentwicklung hin zu multimodalen Lösungen und dem Ansatz „mobility as a service” vorantreiben. Dieser
Artikel analysiert die regionalen Schritte und deren Beitrag zu einer Mobilitätswende. Anhand der Analyse der aktuel-
len Mobilitätsangebote im Steirischen Zentralraum sowie einer Befragung von Bürgermeister*innen der Region wird der
Einfluss auf die Mobilitätsentwicklung beantwortet und es werden Schlussfolgerungen für andere Stadt-Land-Regionen
abgeleitet.
Schlüsselwörter Multimodale und intermodale Verkehrslösungen · „Mobility as a service“ · Kooperationen ·
Fahrradschnellverbindungen · Regionalmanagement
Abstract
The Metropolitan Area of Styria represents one of the most dynamic economic regions in Austria. The strong interdepen-
dence of rural, peri-urban areas and the city of Graz is particularly evident in strong commuter flows. The pressure on
the region to offer alternatives to motorized individual transport is increasing, forcing decision-makers to mitigate these
developments. In recent years, the regional management agency of the Metropolitan Area of Styria has launched several
pilot projects that use a multi-level governance system to push mobility development towards multi-modal solutions and
the concept of „mobility as a service”. The article analyses the regional steps and their contribution to a mobility shift.
Based on an analysis of the current mobility offer in the region, as well as interviews with mayors of the region, the impact
on mobility developments is assessed and conclusions for other rural–urban regions are drawn.
Keywords Multi-modal and inter-modal mobility solutions · Mobility as a service · Cooperation · Cycling highways ·
Regional management agency
Lisa Bauchinger
lisa.bauchinger@bab.gv.at
1
Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen,
Wien, Österreich
2
Regionalmanagement Steirischer Zentralraum, Graz,
Österreich
Einleitung
Städtische und ländliche Regionen sind durch intensive
Austauschbeziehungen und Wechselwirkungen miteinan-
der verbunden (Woods und Heley 2017). Dem Ansatz
des „relationalen“ Raums von Jones und Woods (2013)
folgend, werden die Grenzen zwischen städtischen, stadt-
nahen und ländlichen Regionen als fließend verstanden.
Räume werden hierbei als Netzwerke von wirtschaftli-
chen, politischen, sozialen und kulturellen Beziehungen
gesehen. Eine der deutlichsten räumlichen Verflechtungen
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