762 Originalarbeit Ellies M et al. Behandlungsfehlerbegutachtung in der HNO-Heilkunde … Laryngo-Rhino-Otol 2016; 95: 762–767 eingereicht 23. Februar 2016 akzeptiert 31. Mai 2016 Bibliografie DOI http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0042-109616 Online-Publikation: 25.7.2016 Laryngo-Rhino-Otol 2016; 95: 762–767 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 0935-8943 Korrespondenzadresse Prof. Dr. med. Maik Ellies Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen Geschäftsbereich Behandlungsfehler Hildesheimer Straße 202 30519 Hannover maik.ellies@mdkn.de Schlüsselwörter Behandlungsfehler MDK Niedersachsen und im Lande Bremen HNO-Heilkunde Parotidektomie Fazialisparese Key words false medical treatment Health Advisory Boards in Lower Saxony and Bremen otorhinolaryngology parotidectomy facial nerve palsy Behandlungsfehlerbegutachtung in der HNO-Heilkunde bei den MDK Niedersachsen und im Lande Bremen False Medical Treatment Investigation in Otorhinolaryngology by the MDK in Lower Saxony and Bremen es z. B. im Schlichtungsverfahren vor den Schlich- tungsstellen bzw. Gutachterkommissionen der Ärztekammern gefordert wird, ist hierbei im Rahmen der Begutachtung durch den MDK nicht erforderlich. Im Rahmen der Begutachtung von vermeintli- chen Behandlungsfehlern sind allgemein die ope- rativen Fächer führend, wobei im Jahr 2014 so- wohl hinsichtlich des niedergelassenen Vertrags- ärztebereiches als auch des Krankenhausberei- ches die Unfallchirurgie/Orthopädie am häufigs- ten als betroffenes Fachgebiet aufgeführt wird [2, 3]. Obwohl die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in den absoluten Zahlen wesentlich geringer be- troffen ist, nimmt sie dennoch den neunten Platz in der Statistik der Bundesärztekammer bzw. den zehnten Platz in der Statistik der MDK-Gemein- schaft ein. Im Folgenden soll daher ein Überblick über die im Fachbereich HNO-Heilkunde durch den Geschäftsbereich Behandlungsfehler der MDK Niedersachsen und im Lande Bremen in den Jahren 2012–2015 begutachteten Fälle ver- meintlicher Behandlungsfehler und die Ergebnis- Einleitung Die gesetzliche Grundlage der Begutachtung von vermeintlichen Behandlungsfehlern durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) stellt das am 26. Februar 2013 in Kraft ge- tretene Patientenrechtegesetz [1] in Verbindung mit den einschlägigen rechtlichen Bestimmun- gen des Sozialgesetzbuchs V dar. Durch das Pa- tientenrechtegesetz wurde die früher bestehen- de „kann“-Regelung des § 66 SGB V dabei in eine „soll“-Regelung“ geändert: „Die Gesetzlichen Krankenkassen sollen die Versicherten bei der Verfolgung von Schadenersatzansprüchen, die bei der Inanspruchnahme von Versicherungsleis- tungen aus Behandlungsfehlern entstanden sind und nicht nach § 116 SGB X auf die Krankenkas- sen übergehen, unterstützen“. Hieraus wird un- mittelbar der Auftrag des Gesetzgebers an den MDK deutlich, den Versicherten mit der kosten- freien Erstellung von Gutachten im Falle ver- meintlicher Behandlungsfehler zu unterstützen; ein Einverständnis aller beteiligten Parteien, wie Autoren M. Ellies, M. Grotz, W. Seger Institut Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen, Hannover Zusammenfassung Hintergrund: Im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung wurden die in den Jahren 2012– 2015 im Geschäftsbereich Behandlungsfehler der Medizinischen Dienste der Krankenversiche- rung (MDK) Niedersachsen und im Lande Bre- men begutachteten Fälle analysiert. Material und Methoden: Auf einem nach Bun- desvorgaben für die MDK Niedersachsen und im Lande Bremen standardisierten Erhebungsbogen wurden die relevanten Daten – insbesondere die Diagnosen nach ICD und die Prozeduren nach OPS erhoben und mittels Datenverarbeitung ausgewertet. Zusätzlich werden beispielgebende Fälle ausführlich dargestellt. Ergebnisse: Es ergab sich für den untersuchten Zeitraum eine Gesamtzahl von 206 begutach- teten Fällen. Hierunter befanden sich 24 Fälle (12 %), in denen ein Behandlungsfehler bejaht werden konnte. Die ausführlich analysierten Fäl- le zeigten einerseits, dass auch in der HNO-Heil- kunde relevante Behandlungsfehler auftreten und andererseits, dass die Abgrenzung oft eine besondere fachliche Herausforderung darstellt. Schlussfolgerungen: Im Fachgebiet HNO-Heil- kunde ist eine konstante Zahl von Begutach- tungsfällen im GB Behandlungsfehler der MDK Niedersachsen und im Lande Bremen zu konsta- tieren, wobei die Quote der positiv begutachte- ten Behandlungsfehler vergleichsweise gering ist. Die Analyse möglicher Behandlungsfehler stellt dabei eine Chance zur Vermeidung zukünf- tiger Fehlbehandlungen dar. Heruntergeladen von: LMU München. Urheberrechtlich geschützt.