Originalien
Urologe 2016 · 55:1595–1600
DOI 10.1007/s00120-016-0101-x
Online publiziert: 28. Juni 2016
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
R. Blum · G. Blum · G. Link · I. Meinhold-Heerlein · L. Najjari
Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Zystozele und perinealer
Ultraschall
Vergleich von Reliabilität und
Patientenzufriedenheit
Etwa jede dritte Frau entwickelt im Lau-
fe ihres Lebens eine Zystozele [5]. Eine
so häufige Pathologie sollte schnell und
sicher diagnostiziert werden, ohne den
Komfort der Patientin während der Un-
tersuchung zu vernachlässigen. Diese Ar-
beit untersucht, ob sich der Perinealul-
traschall zur Diagnostik sowohl prä- als
auch postoperativ eignet und wie diese
Methode von den Patientinnen akzep-
tiert wird.
Definition, Symptome und
Diagnostik der Zystozele
Die Zystozele entsteht durch eine Vor-
wölbung der Harnblase durch die Schei-
denvorderwand. Dies ruſt verschiedene
Beschwerden hervor wie Fremdkörper-
und Druckgefühl [11], Blasenentlee-
rungsstörungen mit Restharnbildung
und Harnwegsinfekten [2], im Extrem-
fall sogar Harnverhalt. Viele Frauen sind
jedoch trotz ausgeprägtem Deszensus
beschwerdefrei und stellen sich nicht
in der Sprechstunde des behandelnden
Arztes vor [8].
Die vaginale Spiegeleinstellung und
Auswertung nach dem POP-Q-System
sind der aktuelle Standard zur Diagnos-
tik der Zystozele. Der Deszensus wird
anhand verschiedener Bezugspunkte in
Zentimetern erfasst und die Messwerte
ergeben dann eine Gradeinteilung (0–4).
Der dieser Arbeit zugrunde liegende Fragebo-
gen kann bei der korrespondierenden Autorin
angefragt werden.
Standardisierte Fragebögen wie der
von K. Baessler und C. Kempkensteffen
validierte Deutsche Beckenbodenfrage-
bogen sind hilfreich für die Einschätzung
des individuellen Leidensdrucks [1]. Die
Patientin kann sie vor dem Arztgespräch
ausfüllen, was Zeit spart und eine gewisse
Vollständigkeit gewährleistet.
Darstellung der Zystozele im
Perinealultraschall
Bislang fehlen standardisierte Empfeh-
lungenzursonographischenVermessung
der Zystozele, aber die verschiedenen
Senkungsformen des Urogenitaltraktes
lassen sich im perinealen Ultraschall
gut darstellen und differenzieren [3].
Üblicherweise werden Abdominalson-
den mit Frequenzen von 3,5–5 MHz
verwendet. . Abb. 1 und 2 zeigen, wie
das gewonnene Bild in der Sagittalebene
gemäß den Empfehlungen der Deut-
schen Gesellschaſt für Ultraschall in der
Medizin (DEGUM) ausgerichtet wird.
Dank entsprechender Programme
können die während der Untersuchung
gewonnenen Daten anschließend bear-
beitet werden. Eine zuverlässige Refe-
renzlinie ist die midpubic line „MPL“
(im deutschen Sprachgebrauch zentra-
le Symphysenlinie). Da die Symphyse
als knöcherne Struktur fixiert und un-
abhängig von Manövern wie Pressen
ist, können bewegliche Strukturen wie
Harnblase und Urethra zu ihr in Bezug
gesetzt werden.
Material und Methoden
Im Rahmen der urogynäkologischen
Sprechstunde des Universitätsklinikums
Aachen wurden 33 Frauen nach schriſtli-
cher Einwilligung zur Studienteilnahme
untersucht. Bei allen lag eine Zystoze-
le vor (mindestens Grad 2), und alle
wurden mittels vorderer Kolporrha-
phie operativ behandelt. Vor und nach
der Operation wurden Spiegeleinstel-
lung und perinealer Ultraschall durch-
geführt. Symptome und Beschwerden
wurden mit dem „Deutschen Becken-
bodenfragebogen“ von K. Baessler und
C. Kempkensteffen dokumentiert, wobei
lediglich die für die Zystozele relevanten
Fragen einbezogen wurden (Frage 8,
9, 28) [1]. Fragen, die sich auf andere
Pathologien beziehen (Rektozele, In-
kontinenz etc.), wurden in dieser Arbeit
nicht berücksichtigt. Zur Erfassung der
Patientenzufriedenheit während der Un-
tersuchungen wurde ein klinikinterner
Fragebogen verwendet („Fragebogen
Untersuchungsverfahren“).
Den Antworten „überhaupt nicht“,
„ein wenig“, „mäßig“, „besonders stark“
wurde ein Zahlenwert zugeordnet (1 =
„überhaupt nicht“ bis 4 = „besonders
stark“).
Bei der gynäkologischen Untersu-
chung wurden Senkungen nach dem
POP-Q-System standardisiert gemessen
und dokumentiert.
Die perinealsonographische Untersu-
chung wurde in Rückenlage mit einem
Voluson Expert GE Ultraschallgerät
mit der Abdominalsonde (Frequenz
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