271 1. Einführung Während photogrammetrische Vermessungen im Bereich der Grabungsdokumentation bereits seit einiger Zeit einge- setzt werden, 1 gibt es bisher wenige Studien zur Verwend- barkeit von Nahbereichsphotogrammetrie in Zusammen- hang mit archäologischen Einzelfunden. 2 Im Gegensatz zu bisherigen Studien, die zumeist ausschließlich mobile Fun- de behandeln, welche ein methodisch breiteres Spektrum an Aufnahmetechniken zulassen, zielte das hier behandelte Projekt darauf ab, den Teil einer Wandmalerei, d. h. ein im- mobiles Objekt, zu vermessen, was die Methodenauswahl stark einschränkte. Vergleichbare Ansätze sind bisher nur für die Petroglyphen in Palpa (Peru), 3 einem römischen Mosaik in Cantillana (Spanien) 4 oder einer Deformations- messung an der Bremer Hansekogge 5 publiziert. Anhand eines Modellprojekts an einer Pressbrokatapplikation in der Memminger Frauenkirche (Bayern) wurden deshalb die Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens der Nah- bereichsphotogrammetrie getestet. Die zugehörigen Ergeb- nisse könnten dann auch auf die 3D-Dokumentation von kleinen archäologischen Fundstücken übertragen werden, die oftmals auch nur geringe Reliefunterschiede aufweisen. 1 Reinhard 2013. – Bofinger, Steffen 2014. – Benavides López et al. 2016. – Badillo, Myers, Peterson 2020. – Brandolini et al. 2020. 2 Frischer 2014. – Jagemann 2015. – Clini et al. 2016. – Neamţu, Comes, Popescu 2016. – Breuer et al. 2017. – Katsichti et al. 2019. – Magnani et al. 2020. – Rodríguez-Martin, Rodríguez-Gonzál- vez 2020. 3 Lindstaedt et al. 2007. 4 Marín-Buzón et al. 2021. 5 Schmik et al. 2018. Zusammenfassung Die drohnengestützte 3D-Vermessung wird bereits seit Jahren auch in der archäologischen Forschung, der Denkmalpflege und der Bau- und Kunstgeschichte eingesetzt. Zusätzlich findet auch die dreidimensionale Kartierung von Fundobjekten mit Hilfe von Structure-from-Motion (SfM) vermehrt Verwendung in den ein- zelnen Fachbereichen. Dabei stellt sich oft die Frage, bis zu welcher Größe die Unterschiede in der Oberflächentextur, rein basierend auf Fotos, noch auflösbar und darstellbar sind und ab wann andere 3D- Verfahren, wie beispielsweise Laserscanner, zum Einsatz kommen müssen. Im Rahmen des hier vorgestellten Modellprojekts an einer dreidimensionalen Applikation auf einer mittelalterlichen Wandma- lerei, einem sogenannten Pressbrokat, stellte sich heraus, dass selbst Reliefunterschiede im Submillimeterbereich noch visualisiert und dokumentiert werden können. Schlüsselbegriffe Structure-from-Motion, SfM, 3D-Kartierung, ultrafeine Befunde, Bayern Abstract – Structure-from-Motion Mapping of Ultra-Faint Struc- tures Using the Example of the Tin-Relief Application in the Frauen- kirche in Memmingen Drone-based 3D documentation has already been applied for years in archaeological research as well as in heritage protection and building or art history. In addition, a three-dimensional mapping of objects with the aid of structure-from-motion (SfM) technology is becoming common in these fields. In using them, the question arises of down to what size small variations in the surface texture can be resolved simply from photos or if other methods for 3D documen- tation, e.g. laser scanners, have to be used. Within the framework of this pilot project showing results of three-dimensional applications on a medieval wall painting, a so-called tin-relief, we prove that even ultra-faint variations on a submillimetre scale can be visualized and documented. Keywords Structure from motion, SfM, 3D model, ultra-faint features, Bavaria Archaeologia Austriaca, Band 108/2024, 271–282 © 2024 by Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien doi: 10.1553/archaeologia108s271 Structure-from-Motion-Kartierung ultrafeiner Strukturen am Beispiel der Pressbrokatapplikation in der Memminger Frauenkirche Roland Linck Andreas Stele