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1. Einführung
Während photogrammetrische Vermessungen im Bereich
der Grabungsdokumentation bereits seit einiger Zeit einge-
setzt werden,
1
gibt es bisher wenige Studien zur Verwend-
barkeit von Nahbereichsphotogrammetrie in Zusammen-
hang mit archäologischen Einzelfunden.
2
Im Gegensatz zu
bisherigen Studien, die zumeist ausschließlich mobile Fun-
de behandeln, welche ein methodisch breiteres Spektrum
an Aufnahmetechniken zulassen, zielte das hier behandelte
Projekt darauf ab, den Teil einer Wandmalerei, d. h. ein im-
mobiles Objekt, zu vermessen, was die Methodenauswahl
stark einschränkte. Vergleichbare Ansätze sind bisher nur
für die Petroglyphen in Palpa (Peru),
3
einem römischen
Mosaik in Cantillana (Spanien)
4
oder einer Deformations-
messung an der Bremer Hansekogge
5
publiziert. Anhand
eines Modellprojekts an einer Pressbrokatapplikation in
der Memminger Frauenkirche (Bayern) wurden deshalb
die Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens der Nah-
bereichsphotogrammetrie getestet. Die zugehörigen Ergeb-
nisse könnten dann auch auf die 3D-Dokumentation von
kleinen archäologischen Fundstücken übertragen werden,
die oftmals auch nur geringe Reliefunterschiede aufweisen.
1 Reinhard 2013. – Bofinger, Steffen 2014. – Benavides López
et al. 2016. – Badillo, Myers, Peterson 2020. – Brandolini et al.
2020.
2 Frischer 2014. – Jagemann 2015. – Clini et al. 2016. – Neamţu,
Comes, Popescu 2016. – Breuer et al. 2017. – Katsichti et al. 2019. –
Magnani et al. 2020. – Rodríguez-Martin, Rodríguez-Gonzál-
vez 2020.
3 Lindstaedt et al. 2007.
4 Marín-Buzón et al. 2021.
5 Schmik et al. 2018.
Zusammenfassung
Die drohnengestützte 3D-Vermessung wird bereits seit Jahren
auch in der archäologischen Forschung, der Denkmalpflege und
der Bau- und Kunstgeschichte eingesetzt. Zusätzlich findet auch
die dreidimensionale Kartierung von Fundobjekten mit Hilfe von
Structure-from-Motion (SfM) vermehrt Verwendung in den ein-
zelnen Fachbereichen. Dabei stellt sich oft die Frage, bis zu welcher
Größe die Unterschiede in der Oberflächentextur, rein basierend auf
Fotos, noch auflösbar und darstellbar sind und ab wann andere 3D-
Verfahren, wie beispielsweise Laserscanner, zum Einsatz kommen
müssen. Im Rahmen des hier vorgestellten Modellprojekts an einer
dreidimensionalen Applikation auf einer mittelalterlichen Wandma-
lerei, einem sogenannten Pressbrokat, stellte sich heraus, dass selbst
Reliefunterschiede im Submillimeterbereich noch visualisiert und
dokumentiert werden können.
Schlüsselbegriffe
Structure-from-Motion, SfM, 3D-Kartierung, ultrafeine Befunde,
Bayern
Abstract – Structure-from-Motion Mapping of Ultra-Faint Struc-
tures Using the Example of the Tin-Relief Application in the Frauen-
kirche in Memmingen
Drone-based 3D documentation has already been applied for years
in archaeological research as well as in heritage protection and
building or art history. In addition, a three-dimensional mapping of
objects with the aid of structure-from-motion (SfM) technology is
becoming common in these fields. In using them, the question arises
of down to what size small variations in the surface texture can be
resolved simply from photos or if other methods for 3D documen-
tation, e.g. laser scanners, have to be used. Within the framework of
this pilot project showing results of three-dimensional applications
on a medieval wall painting, a so-called tin-relief, we prove that even
ultra-faint variations on a submillimetre scale can be visualized and
documented.
Keywords
Structure from motion, SfM, 3D model, ultra-faint features, Bavaria
Archaeologia Austriaca, Band 108/2024, 271–282
© 2024 by Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
doi: 10.1553/archaeologia108s271
Structure-from-Motion-Kartierung
ultrafeiner Strukturen am Beispiel
der Pressbrokatapplikation in der
Memminger Frauenkirche
Roland Linck
Andreas Stele