In: Psychoanalyse, Texte zur Sozialforschung. - Lengerich : Pabst Science Publishers, 5.2001,8, S. 5-20 ;:'Ut'l:HVI:>IUN IN Ul::H JU::iT1ZVULLZUG::iANSTALT SUPERVISION IN DER JUSTIZVOLLZUGSANSTALT HEIDI MÖLLER 5 ZUSAMMENFASSUNG. Der Aufsatz lädt die Leser ein, zunächst einmal die Or- ganisationskultur einer Justizvollzugsanstalt (JVA) kennenzulernen und in einem zweiten Schritt das besondere Aufgabenprofil für unterschiedliche supervisorische Settings in dieser Institution zu sehen. In einem dritten Schritt schließlich werden die Möglichkeiten ausgeleuchtet, die dem Inter- ventionsinstrument Supervision innerhalb der Verwaltungsreform der Berli- ner Justiz zukommen, dem sogenannten "New Public Management'. SCHLÜSSELWÖRTER: Supervision, totale Institution, Organisationsdiagnos- tik, Verwaltungsreform _ Um Sie mit den Besonderheiten der Miniaturgesellschaft Justizvoll- zugsanstalt vertraut zu machen, möchte ich Ihnen eine kurze Vig- nette der Kontaktaufnahme einer Supervisorin mit einer JVA zeigen. Ich benutze dazu die Methodik der ethnopsychoanalytischen Organisa- tionsdiagnostik. Diese setzt die Haltung eines Organisationsberaters voraus, sich wie ein Fremder in eine ihm nicht vertraute Kultur zu bege- ben. Ethnopsychoanalytische Orga- nisationsdiagnostik (Möller & Pühl im Druck) misst den ersten Minuten des Aufeinandertreffens von Berater und zu beratendem System große Bedeutung zu: FALLBEISPIEL ZUR ETHNOPSYCHOANALYTISCHEN ORGANISATIONSDIAGNOSTIK Ich habe einen Termin bei dem Leiter einer Justizvollzugsanstalt, um mich als Supervisorin des The- rapeutenteams vorzustellen. Fünf Minuten vor der Zeit melde ich mich beim Pförtner. Nachdem ich mich vorgestellt und mein Anliegen kund- getan habe, bekomme ich die mürri- sche Antwort meines Gegenübers: "Mir ist nichts bekannt, da muss ich erstmal nachfragen." Ich fühle mich wie eine unrechtmäßig Eindringen- de, eine die mit unlauteren Motiven Unmögliches verlangt. Konfrontiert werde ich in dieser Eingangssituati- on mit recht viel Misstrauen. Man scheint hier nicht viel Gutes von der Außenwelt zu erwarten, muss auf der Hut sein und Kontrolle ausüben. Nachdem der Termin bestätigt wur- de. werde ich weiter vorgelassen. Meine Schuhe muss ich sie werden durchleuchtet, meinen Schirm muss ich als "gefährliche Waffe" abgeben. Ich werde abge- piepst und abgetastet und fühle mich fast schuldig. Meine Handta-