Rezension: Lisa Pfahl & Johanna Hess Hanna Meißner (2010). Jenseits des autonomen Subjekts. Zur gesellschaftlichen Konstitution von Handlungsfähigkeit im Anschluss an Butler, Foucault und Marx. Bielefeld: transcript; 306 Seiten; ISBN 978-3-8376-1381-0; 29,80 Euro Zusammenfassung: In ihrem Buch untersucht Hanna MEIßNER unter Rückgriff auf die Theorien von Judith BUTLER, Michel FOUCAULT und Karl MARX die historischen, rechtlichen und sozialen Bedingungen für das Entstehen moderner Subjekte. Sie etabliert ein kritisches Verständnis von Autonomie bzw. Handlungsfähigkeit und fragt nach dem damit verbundenen Potenzial an widerständige Praktiken innerhalb der bestehenden Verhältnisse. MEIßNERs Analyse überzeugt durch ihren Aufbau und ihre präzisen Argumentationslinien. Sie bietet Anschlussstellen insbesondere für die sich auch im deutschsprachigen Raum etablierenden Disability Studies sowie Diversity Studies und stellt einen wichtigen Beitrag zur Kritik am Ableism sowie zur Bedeutung von individueller Selbstbestimmung und kollektiver Fürsorge dar. Inhaltsverzeichnis 1. Grenzen der Handlungsfähigkeit 2. Subjektivierung bei BUTLER, FOUCAULT und MARX 3. "Jenseits des autonomen Subjekts" 4. Kritik am Ableism Zu den Autorinnen Zitation 1. Grenzen der Handlungsfähigkeit Hanna MEIßNER nimmt sich in ihrem Buch "Jenseits des autonomen Subjekts. Zur gesellschaftlichen Konstruktion von Handlungsfähigkeit im Anschluss an Butler, Foucault und Marx" die Klärung der Frage vor, ob die "Abkehr von der Vorstellung eines autonomen Subjekts zwangsläufig zu einer strukturdeterministischen Perspektive" (Klappentext) führen muss. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Debatte um den Dualismus von "Individuum/Gesellschaft, Handlung/Struktur, Voluntarismus/Determinismus, Autonomie/Heteronomie" (S.10). [1] Das Buch stellt eine poststrukturalistisch fundierte, feministisch- gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem modernen Subjektverständnis dar. Es verfolgt das Ziel, die historische, rechtliche und soziale Bedingtheit von Handlungsfähigkeit aufzuzeigen und wendet sich somit sowohl gegen universalisierende Vorstellungen von Handlungsfähigkeit als auch gegen hegemoniale Vorstellungen von Handlungsmächtigkeit bzw. Ableism (d.h. der Beurteilung von Geist und Körper anhand von Fähigkeiten, die © 2012 FQS http://www.qualitative-research.net/ Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (ISSN 1438-5627) Volume 13, No. 2, Art. 18 Mai 2012 FORUM: QUALITATIVE SOZIALFORSCHUNG SOCIAL RESEARCH Keywords: Subjekt; Subjektivierung; Autonomie; Hand- lungsfähigkeit; Theorie; Heteronomie; Diversity; Ableism; Geschlechterver- hältnisse; Sorge; Disability