Unfallchirurg 2006 · 109:875–880
DOI 10.1007/s00113-006-1142-1
Online publiziert: 27. September 2006
© Springer Medizin Verlag 2006
D. Kendoff
1
· T. Hüfner
1
· M. Citak
1
· C. Maier
2
· F. Wesemeier
1
· A. Pearle
3
· C. Krettek
1
1
Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule, Hannover
2
Brainlab AG, Heimstetten
3
Orthopeadic Department, Hospital for Special Surgery, New York
Eine neue
Doppelbohrbüchse zur
navigierten Schenkelhals-
verschraubung
Entwicklung und Evaluation
Originalien
Navigationsmodule in der Traumatologie
nutzen bisher häufig existierende chirur-
gische Instrumente ohne vorherige spezi-
fische Einbindung in die Navigation. Die-
se Instrumente werden während der Ope-
ration mit Referenzmarkern versehen, ka-
libriert und der Computer generiert Mo-
delle zur weiteren Simulation einfacher
Bohrer- oder Implantatplatzierungen.
Die Navigation dynamischer Schrau-
ben zur Stabilisierung hüftgelenknaher
Frakturen erfordert insbesondere eine
exakte Platzierung innerhalb des Schen-
kelhalses und Femurkopfes um das spä-
tere Einstauchen der Fraktur zu gewähr-
leisten. Nur eine exakte Platzierung von 2
oder 3 Schrauben entlang definierter ana-
tomischer Landmarken garantiert eine bio-
mechanisch stabile Fixierung [4, 5, 8, 9].
Eine genaue navigierte di- oder konver-
gente Platzierung des Osteosynthesema-
terials ist aber auch bei anderen Indikati-
onen notwendig, wie z. B. die divergente
Schraubenplatzierung bei der ventralen
HWS-Spondylodese mit Plattenosteosyn-
these oder die konvergente Platzierung
der Schrauben bei Densfrakturen.
Häufig werden jedoch während der
Navigation notwendige implantatspezi-
fische Winkelangaben oder Parallelitäten
nur unzureichend oder gar nicht berück-
sichtigt. Während in der orthopädischen
Navigation, insbesondere in der Knie-
und Hüftendoprothetik, aufgrund mini-
mal-invasiver Techniken die Entwicklung
navigationsspezifischer, minimal-inva-
siver, mechanischer Instrumente bereits
fortgeschritten ist, sind Anwendungen in
der traumatologischen Navigation bisher
nur selten. Dies betrifft auch mögliche An-
wendungen bei häufigen Frakturen, wie
der Schenkelhalsfraktur, welche häufig
durch eine minimal-invasive Verschrau-
bung unter geschlossener Reposition ope-
rativ versorgt wird. Trotz guter Ergebnisse
dieser Technik sind aber auch hier primä-
re Fehlplatzierungsraten sowie sekundäre
Dislokationsraten zwischen 10–50 be-
schrieben worden [7, 13, 17, 19].
Bisher genutzte mechanische Bohrhil-
fen, wie z. B. die Parallelbohrbüchse aus
dem Manninger®-Verschraubungssystem
(Fa. DePuy, Kirkel-Limbach), erleichtern
die minimal-invasive Platzierung mehre-
rer Schrauben in paralleler Ausrichtung
unter ständiger Röntgenkontrolle. Aller-
dings wurden auch mit diesen Systemen
Fehlplatzierungen unter entsprechenden
Röntgenkontrollen und hohen Strah-
lungszeiten beschrieben [7, 8, 18, 19].
Ziel dieser Studie war die komplette
Integration einer konventionellen me-
chanischen parallelen Doppelbohrbüch-
se (DBB) zur Schenkelhalsverschraubung
in ein Traumanavigationsmodul. Die je-
weiligen Vorteile der mechanischen Füh-
rungshilfe und der fluoroskopiebasierten
Navigation sollten dabei kombiniert wer-
den, um eine effiziente, minimal-invasive
und röntgenreduzierte Platzierung der
Schrauben zu ermöglichen. Zur Beurtei-
lung wurde eine Vergleichstudie an intak-
ten proximalen Plastikfemurknochen und
Kadavern durchführt.
Material und Methoden
Eine konventionelle Parallel-DBB des
Manninger®-Schraubensystems zur mini-
mal-invasiven Versorgung von Schenkel-
halsfrakturen wurde zur Weiterentwick-
lung und Integration in ein Navigations-
system genutzt und modifiziert [8, 13].
Der Prototyp wurde durch hochschulin-
terne Feinmechaniker entwickelt und in-
itial ohne Studiencharakter getestet. Die
weiterführende technische Integration
der Referenzmarker, inklusive einer ein-
fachen Umsteckbüchse für den bilateralen
Gebrauch, erfolgte durch Ingenieure der
Fa. Brainlab (Heimstetten, . Abb. 1).
Die graphische Einbindung der navi-
gierten DBB inklusive der Darstellung al-
ler notwendigen spezifischen Winkelan-
gaben sowie Parallelitäten erfolgte ebenso
durch Softwarespezialisten in ein konven-
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