A. Frank, S. Krauss & K. Binder (Hrsg.), Beiträge zum Mathematikunterricht 2019. Münster: WTM-Verlag. Seite 333 Kerstin HEIN, Dortmund Argumentationstheoretische und linguistische Analyse von Beweisen in natürlicher Sprache Logische Strukturen und sprachliche Mittel im Fokus der Analyse Beweise werden innerhalb der Mathematikdidaktik oft qualitativ mit dem Toulmin-Modell (1958) analysiert (z.B. bei Pedemonte, 2007), das für all- tägliche Argumentationen geschaffen wurde. Hierbei werden die Nennungen von Voraussetzungen, Schlussregeln und Schlussfolgerungen identifiziert, deren Unterscheidung für das Verständnis der logischen Struktur von Be- weisen und zur Vermeidung von Zirkelschlüssen notwendig ist (Heinze & Reiss, 2003). Bei der Betrachtung von mathematischen Sätzen als Schluss- regeln muss – im Gegensatz zu alltäglichen Argumentationen – deren kon- ditionale Struktur berücksichtigt werden, da Implikationen aus hypotheti- schen Voraussetzungen und Schlussfolgerungen bestehen (Pedemonte, 2007). Dabei nutzen (nicht rein formal-symbolisch gefasste) mathematische Beweise eine Sprache, die sich in ihren grammatikalischen Strukturen und deren Bedeutungen von der Alltagssprache unterscheidet (Schleppegrell, 2007, S. 146). Die Sprachmittel und grammatikalischen Strukturen stellen eine Herausforderung für viele Lernenden dar, insbesondere wenn ihnen die formalen Hintergründe meistens noch nicht bekannt sind (O’Halloran, 1998). Daraus ergibt sich die Forderung – neben den inhaltlichen – auch sprachliche Anforderungen von Beweisen und Beweisprozessen zu identi fi- zieren, um diese im Unterricht expliziter thematisieren zu können (Mariotti, Durand-Guerrier, & Stylianides, 2018, p. 80). Diese Forderung passt in das generelle Forschungsprogramm, themenspezi- fische, lernförderliche Sprachmittel für unterschiedliche Themen zu identi- fizieren (Schleppegrell, 2007; Prediger & Hein, 2017). Für diesen Zweck wird hier auf die systemisch-funktionale Grammatik nach Halliday (1985) zurückgegriffen, um grammatikalische Strukturen und deren engen Zusam- menhang zu deren Bedeutungen empirisch zu untersuchen. Forschungsinteresse, Datenkorpus und Methoden der qualitativen Analyse Forschungsinteresse: Untersucht werden Lernenden-Texte, die im Rah- men eines Lehr-Lern-Arrangements über deduktives Schließen entstanden sind (Hein & Prediger, 2017; Prediger & Hein, 2017) im Hinblick auf Ex- plikation der logischen Elemente und logische Beziehungen und die dafür verwendeten Sprachmittel, um förderliche und hinderliche Sprachmittel zu rekonstruieren.