Leitthema
Urologe
DOI 10.1007/s00120-017-0358-8
© Springer Medizin Verlag GmbH 2017
O. W. Hakenberg · C. Protzel
Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Operative Therapie von
Metastasen beim Peniskarzinom
– gibt es eine wissenschaftliche
Grundlage?
Obwohl die Heilungsraten beim Pe-
niskarzinom insgesamt über 90 %
liegen, ist dies nur den lokal begrenz-
ten Stadien zu verdanken. Sobald
eine Metastasierung in regionale
Lymphknoten oder darüber hinaus
erfolgt ist, werden die Überlebensra-
ten deutlich schlechter. Das Problem
besteht also in der kurativen Behand-
lung lymphknotenmetastasierter
Patienten.
Die rein inguinal metastasierten Patien-
ten können durch radikale Lymphkno-
tendissektion mit anschließender adju-
vanter Chemotherapie noch geheilt wer-
den. Die Prognose hängt dabei deutlich
vom Ausmaß der inguinalen Metasta-
sierung ab [1]. Die weitergehende lym-
phogene Metastasierung in die pelvinen
Lymphknoten verschlechtert die Progno-
se wiederum deutlich. Auch hier gilt das
Konzept der regionären, in diesem Fall
pelvinen Lymphadenektomie in Verbin-
dung mit adjuvanter Chemotherapie als
potentiell kurativer Ansatz.
Jede darüber hinaus gehende lympho-
gene Metastasierung betri dann die pa-
raaortalen und paracavalen Lymphkno-
ten. Diese gelten nach der UICC- („Union
Internationale Contre le Cancre“-)TNM-
Klassifikation nicht mehr als lympho-
gene, sondern als systemische Metasta-
sierung [2]. Metastatische Lymphknoten
jenseits der pelvinen Achse sind also als
systemische Metastasen zu betrachten.
Darüber hinaus gibt es natürlich auch
organmetastasierte Fälle. Organmetasta-
sen beim Peniskarzinom treten in aller
Regel erst auf, wenn bereits eine ausge-
dehnte lymphogene Metastasierung vor-
liegt.
Lymphknotenmetastasierung
in inguinale Lymphknoten
Patienten mit einer begrenzten inguina-
len Lymphknotenmetastasierung haben
eine realistische kurative Chance. Vo-
raussetzung ist die radikale inguinale
Lymphadenektomie der betroffenen Sei-
te(n) mit Ausräumung aller fünf Zonen
nach Daseler et al. [3]. Nur wenn alle be-
fallenen Lymphknoten entfernt werden,
besteht eine Heilungschance. Besonders
wichtig ist dabei, dass die operative
Entfernung nur einzelner großer und
offensichtlich befallener Lymphknoten
nicht ausreicht, sondern eine komplet-
te radikale inguinale Lymphadenekto-
mie der betroffenen Seite erforderlich
ist. Die Gegenseite, wenn diese nicht
befallen erscheint, muss aber invasiv
diagnostiziert werden, d. h. entweder
mit dynamischer Sentinel-Lymphkno-
tenbiopsie oder mit der diagnostischen
modifizierten Lymphknotendissektion.
In Verbindung mit einer adjuvanten
Chemotherapie sind realistische Hei-
lungschancen zu erreichen.
»
Alle befallenen Lymphknoten
müssen entfernt werden
Das Ausmaß der radikalen inguinalen
Lymphadenektomie umfasstdas Feld, das
nach kranial durch die Verbindungsli-
nie zwischen dem äußeren Leistenring
und der Spina iliaca anterior superior
und nach lateral durch eine Linie von
der Spina iliaca anterior superior bis zur
Kreuzung mit einer gerade nach unten
verlaufenden Linie vom Tuberculum pu-
bicum begrenzt wird.
Laparoskopische und auch robo-
terassistierte radikale inguinale Lym-
phadenektomien wurden als machbare
Techniken beschrieben. Postuliert wird
dabei eine geringere Komplikationsra-
te, die in kleinen Serien gezeigt wur-
de, jedoch bislang in randomisiertem
Vergleich nicht untersucht wurde. Das
onkologische Ergebnis im Hinblick auf
Lymphknotenrezidive ist das gleiche [4].
Lymphknotenmetastasierung
in pelvine Lymphknoten
Die Indikation zur pelvinen Lymph-
adenektomie ergibt sich aus dem Befund
der iliakalen Lymphadenektomie. Meh-
rere befallene iliakale Lymphknoten (>1)
und/oder das Vorkommen von extrano-
daler Extension in einem Lymphknoten
bedingen die Indikation zur ipsilateralen
pelvinen Lymphadenektomie [1, 5].
Die pelvine Lymphadenektomie beim
Peniskarzinom unterscheidet sich nicht
von der Vorgehensweise bei anderen uro-
genitalen Karzinomen. Sie kann einzeitig
zusammen mit der inguinalen Lymph-
adenektomie vorgenommen werden, in-
dem eine Schnitterweiterung nach krani-
al vorgenommen wird, wenn vorher die
S-förmige Inzisionquerzum Leistenband
als Zugang fürdie inguinale Ausräumung
gewählt wurde. Alternativ kann die pel-
vine Lymphadenektomie auch beidseitig
vom Mittelschnitt aus erfolgen. Das Aus-
Der Urologe