3/2005 i-com 31 Usability Engineering Michael Burmester, Joachim Machate und Nina Sandweg Integration benutzerzentrierter Methoden in die Software-Entwicklung Integrating User-Centered Design Methods with Software Engineering Usability-Engineering_Software-Engineering_Entwicklungsprozess_benutzerzentrierte Gestaltung_Rational Unified Process (RUP) Zusammenfassung. Der Ablauf vieler Software-Projekte ori- entiert sich oftmals an eingeführten Software-Engineering-Pro- zessen. Bei der Entwicklung interaktiver Produkte gewinnt Usa- bility-Engineering zunehmend an Bedeutung. Somit entsteht die Notwendigkeit, dass Software-Engineering- und Usability-Engi- neering-Prozesse integriert werden. Der vorliegende Artikel zeigt Möglichkeiten auf, wie am Beispiel des Rational Unified Process (RUP) beide Prozesse pragmatisch integriert werden können. Summary. The project cycle of numerous software projects is often based on the software engineering processes involved. When it comes to developing interactive products, usability en- gineering is increasingly gaining in importance. Hence, the ne- cessity arises that software engineering and usability enginee- ring processes have to be integrated. Based on the “Rational Unified Process (RUP)”, a well-known software engineering process, this article reveals possibilities to integrate both processes – usability and software engineering – in a pragmatic way. 1. Integration von Usability-Engineering- Maßnahmen in Software- Engineering-Prozesse Bei der Entwicklung IT-basierter Produkte hat Usability als Qualitätskriterium einen entscheidenden Anteil am Erfolg eines Produktes. Die Erkenntnis, dass entspre- chende Maßnahmen zur Sicherung die- ser Qualität notwendig sind, setzt sich mehr und mehr in Gestaltungs- und Ent- wicklungsprojekten durch. Der Einsatz ingenieurwissenschaftlicher Vorgehens- weisen und Methoden bei der Software- entwicklung ist als Software-Engineering bekannt. In Analogie dazu wird das sys- tematische Anstreben von Usability als Usability-Engineering bezeichnet. Als wichtiges Hindernis für die Pla- nung und den Einsatz von Usability-Engi- neering-Maßnahmen rückt dabei häufig in den Vordergrund, dass Software-Engi- neering-Prozesse unabhängig von Usabi- lity-Engineering-Maßnahmen geplant und durchlaufen werden. Dies führt zu Situationen, bei denen Zeit, Budgets und Ressourcen für Usability-Engineering- Maßnahmen oder -Prozesse im Rahmen der Softwareentwicklung nicht oder nur unzureichend vorgesehen werden. Usa- bility-Engineering-Prozesse laufen oft losgelöst von Software-Engineering-Pro- zessen, was zu mangelnder Integration ihrer Arbeitsergebnisse führt. Sehr häufig wird Usability-Engineering als reine qualitätsprüfende oder quali- tätssichernde Maßnahme gesehen, bei der Arbeitsergebnisse, wie z.B. Benut- zungsoberflächenprototypen, experten- basiert oder empirisch überprüft werden. Da die Prüfung sehr häufig zu einem spä- ten Zeitpunkt der Entwicklung stattfin- det, können Ergebnisse, die starke Code- Änderungen zur Folge hätten, nicht mehr berücksichtigt werden. Usability-Engi- neering bietet aber weit mehr als Quali- tätsprüfung am Ende einer Produktent- wicklung. Den größten Nutzen aus dem Einsatz von Usability-Engineering-Metho- den ziehen Projekte, die konsequent auf deren Einsatz bereits in der Anforde- rungserhebung und während des System- entwurfs setzen. Obwohl das Durchlau- fen einer Requirementsphase zum Stan- dardablauf eines jeden Softwareentwick- lungsprojekts zählt, bleibt eine fundierte Auseinandersetzung mit den Anforde- rungen der Produktnutzer oftmals außen vor. Das erfolgreiche Einbinden von Be- nutzern in die Requirementsphase, so wie es die DIN EN ISO 13407 (2000) for- dert, ist in der praktischen Anwendung vieler Software-Engineering Prozesse noch nicht konsequent genug etabliert (Gulliksen, Göransson, Lif 2001). Ungeachtet der Tatsache, dass es be- reits erfolgreiche Integrationen von Soft- ware-Engineering und Usability-Enginee- ring-Prozessen gibt (IBM 1996; Geissbüh- ler, Hassenzahl und Beu 2003), finden