ABHANDLUNGEN DOI 10.1007/s11577-016-0367-4 Köln Z Soziol Wie Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse unsere materielle Zufriedenheit beeinflussen Ein Erklärungsversuch der materiellen Wohlfahrtsdivergenz zwischen Ost- und Westdeutschland Simone M. Schneider © Springer Fachmedien Wiesbaden 2016 Zusammenfassung Es ist hinreichend belegt, dass äußere Lebensumstände unsere Zufriedenheit beeinflussen. Unklar dagegen ist, welche Prozesse oder auch Me- chanismen diesem Zusammenhang zugrunde liegen. Dieser Beitrag untersucht den Stellenwert von Wahrnehmungs- und Bewertungsprozessen für die Erklärung des Zusammenhangs zwischen Einkommen und materieller Zufriedenheit. Auf Basis repräsentativer Umfragedaten aus dem Jahr 2006 wird für Deutschland mit Hilfe eines Mediationsmodells gezeigt, dass der Einfluss des Einkommens auf die mate- rielle Zufriedenheit zumindest partiell auf Unterschiede in der Selbstwahrnehmung der eigenen Position im sozialen Hierarchiegefüge wie auch der Gerechtigkeitsbe- wertung des eigenen Einkommens zurückzuführen ist. Unterschiede in der Zufrie- denheit zwischen Ost- und Westdeutschland lassen sich vollständig durch divergente Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster erklären. Die Ergebnisse unterstreichen die soziologische Relevanz kognitiver Mechanismen und empfehlen ihre verstärkte In- tegration in die empirische Umfrageforschung. Schlüsselwörter Zufriedenheit · Mechanismen · Selbstwahrnehmung · Distributive Gerechtigkeit · Mediationsmodell How perception and evaluation processes affect material satisfaction An explanation of the divergence in material wellbeing between East and West Germany Abstract There is ample evidence that shows external circumstances affect our level of satisfaction. Unclear, however, is which processes or mechanisms underlie S. M. Schneider () Sociology Department, Trinity College Dublin 3 College Green, Dublin, Ireland E-Mail: sschneid@tcd.ie K