Heidi Möller Schamerleben in Supervisionsprozessen Um die Rolle des Schamaffekts in der Supervision genauer auszuleuchten und Supervisoren .inen diffClCntiellen Umgang mit dem Einzclphllnomen Scham, dem ,,Aschenbrlldel der Af- fekte" (Rycroft, 1968) ermöglichen. wUrden Grupj:lCndiskussionen mit Gestalnherapeuten durchgelilhrt, die NSIIlIlionen Ober eigenes Schamerleberi in Supervisionskontexten zum In- halt hatten. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen die Bcd.utsainkeit des Schilmaffekts (z. B. soziale Scham, AbhllngigkcilSscharn, Scharn,.dieeine Diskrepanz ZWischen Selbst und· Ideal anzeigt) in fllrderlicher und hemmender Richtung ftIr supervisoriscbe LerilPf()zesse, 11Ie goal "ftb. studyrepörtedwas to illtimiruite thefunctionoftbe sharneaffect in supervt- sion and to hi:lp supervisors' 'ta dcal appropriately witb tbe phenonienon' of shiune, tbe "Cinderella of affects". Ta tbis putpOse, Gestalt tberapislS were askcd, in a 'group setting, to . report eventsahout personal experiences of sharne (for example: social sharne, sharne.about dependen% sharne indicating a discrepancy. betw"!,nself and ideal-solO in supervision ses- sions. 11Ie. ",sults of thestudy show, how impnrtant. the sharne affeet' is for ICliming proccsses in supervision, in bolb a promoting and inhibliing way.·· . Einleitung Dem Supervtstonssemng KOmrtlt'in Ausbildungskontexten ein hoher 'Stelleilwert zu. Es stellt den zenttaJen Ort der Sozialisation zum psychoamuytikc!r. Ge- sprächs- oder Gestaltthernpeuten. oder Verh3Itenstherapeutendar. Die jeweilige schulenspezifische .Regelbildung wiid .eingeübt; die professionelle Kompetenz der Ausbildungskandidaten zeigt sich öffentlich und kann ermessen' werden. Aber auch Anpasstingsbereitschaft und -leistung wird bezogen auf die Theorie- bildung des Ausbildungsinstituts deutlich.. Supervision bildet somit die profes- sionell- sozialisatorische SchilittStelle zwischen dem Denken, Erleben und Ver- haltendes Kandidaten und den Inhalten. Wertenurid Normen bzw. Ideologien (vgl. Gröning. 1997) der Institute. Die des supervisorischen Set- tings, als Lemfeld und zugleich Noi'mier'ungs-und' Bewertlingsinslanz wurde von den DfskussionsleiinehDlein und Diskussionsteilnehmerinnen oft betont Dieses Spannungsverhältilis zog sich durch ihre Weiterbildung: Herr Boos*: Ich bin ja im da gibt es Kontrolle und Ab- hlingigkeitsVerhiJltnisse. Die entsc!Jeide"jaüber: meIne Begutachtung. Da tritt der Faktor des Fehlermachens, der Peinlichkeit, der Auseinandersetzung um un- konventionelle Dinge viel stitrker zu Tage. Es geht nicht so sehr darum, den Schein zu bekommen, aber schlimm ist, nicht ernst genommen oder gar entwertet zu werden. Herr Grüning: Ich binja ausgebildet,in einem Setting, wo es ganz viele VerknUp- fungen gibt, Lehranalysen, Kontrollanalysen, Supervisionen. Da laufen Gesprli- ehe, deI·werden Geschichten erzählt, da gibt's kaum Intimitlit. Da ist schon 'ne Grundumicherheit, wem iiffne ich mich, wem nicht. Die Namen' der Ausbildungskandidaten wurden Oroppendynamit. 29.1ahrJ:., Heft 4, 1998. S. 403-419