Originalien
Unfallchirurg
DOI 10.1007/s00113-016-0275-0
© Springer Medizin Verlag Berlin 2016
Redaktion
W. Mutschler, München
H. Polzer, München
B. Ockert, München
P. Garcia · C. Domnick · G. Lodde · M. J. Raschke
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster,
Deutschland
Operative Versorgung in
Orthopädie und Unfallchirurgie
Wird in Deutschland immer mehr operiert?
Zusatzmaterial online
Die Online-Version dieses Beitrags (doi: 10.
1007/s00113-016-0275-0) enthält weitere
Tabellen zur Übersicht der Prozedurenent-
wicklung von wirbelsäulenchirurgischen
Eingriffen (Tab. 1), endoprothetischen
Eingriffen (Tab. 2), osteosynthetischen
Eingriffen (Tab. 3a) und Übersicht der
Osteosynthese-Verfahren bei Frakturen
aller Lokalisationen (Tab. 3b). Beitrag
und Zusatzmaterial stehen Ihnen im
elektronischen Volltextarchiv auf http://www.
springermedizin.de/der-unfallchirurg zur
Verfügung. Sie finden das Zusatzmaterial am
Beitragsende unter „Supplementary Material“.
Versorgungszahlen des öffentlichen
Gesundheitssystems sind von hohem
wirtschaſtlichen und gesundheitspoliti-
schem Interesse. Verschiedene Studien
und Gutachten zur Mengenentwicklung
in Krankenhäusern beschreiben einen
Anstieg der Fallzahlen in deutschen
Krankenhäusern und insbesondere eine
Steigerung der Operationszahlen [6, 10].
Die Steigerungen wurden insbesonde-
re ab dem Jahr 2005 beobachtet und
werden mit der Einführung der fall-
pauschalenbezogenen Vergütung (DRG-
System) in Verbindung gebracht [9,
23]. Dies hat dazu geführt, dass auch
in der Laienpresse zunehmend disku-
tiert wird, ob in Deutschland als Folge
ökonomischer Anreize zu viel operiert
wird. Die Ursachen für die beobach-
teten Fallsteigerungen bleiben jedoch
unklar und betreffen verschiedene Fach-
disziplinen. Dies betri insbesondere
z. B. auf gynäkologischem Fachgebiet
Patric Garcia und Christoph Domnick teilen sich
die Erstautorenschaft zu gleichenAnteilen.
Entbindungen per Kaiserschnitt [7, 13]
oder auf kardiologischem Fachgebiet
Herzkatheteruntersuchungen [19]. Auf
orthopädischem und unfallchirurgi-
schem Fachgebiet stehen ein Anstieg
der endoprothetischen Operationen an
Hüſte und Knie sowie eine Steigerung
der Eingriffe an der Wirbelsäule im Vor-
dergrund [5, 14, 26]. Dieser Anstieg der
Operationszahlen ist umso beachtlicher,
da in den untersuchten Zeiträumen die
Anzahl an Krankenhäusern und die An-
zahl der Betten pro 1000 Einwohner in
Deutschland abnahm [17].
Auch im internationalen Vergleich
zeigt Deutschland einen Spitzenplatz
bei der Anzahl implantierter Hüſt- und
Knieendoprothesen [16]. Die Organisati-
on für wirtschaſtliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) berichtet,
dass sich Deutschland im Jahr 2011 mit
286 Hüſtendoprothesenimplantationen
pro 100.000 Einwohnern auf Platz 2
(nach der Schweiz) und mit 207 Knieen-
doprothesenimplantationen auf Platz 3
(nach den USA und Österreich) befindet
[16]. Auch mit der Anzahl an durchge-
führten Wirbelsäulenoperationen wird
Deutschland trotz vieler fehlender in-
ternationaler Vergleichszahlen neben
den USA auf einen der vorderen Plätze
geschätzt [14, 18].
In der Interpretation der erhöhten
Operationszahlen in Deutschland muss
die sich verändernde Altersstruktur be-
rücksichtigtwerden[11].Sonahmbeium
1,6 Mio. Einwohner gesunkener Gesamt-
bevölkerungszahl die Anzahl der über
65-jährigen Bevölkerung um 1,1 Mio.
zu [1]. Verschiedene Studien haben auf-
grund dieses demographischen Wandels
einen weiteren Anstieg der Fallmengen
in deutschen Krankenhäusern prognos-
tiziert [11, 15, 26]. Die vorliegende Arbeit
analysiert anhand der DRG-Statistik die
Mengenentwicklung für Wirbelsäulen-
operationen und Endoprothesenimplan-
tationen. Im Gegensatz zu vorherigen
Studien erfolgt auch eine Analyse der
Art der Wirbelsäulenoperation und die
Einbeziehung von weiteren Prothesen-
implantationen (zusätzlich zu Knie und
Hüſte). Um das Bild orthopädischer und
unfallchirurgischer Operationszahlen
zu komplettieren und auch nichtelektive
Eingriffe nach frischen Verletzungen
mit einzubeziehen, wurde zusätzlich die
Mengenentwicklung osteosynthetischer
Operationen untersucht.
Methoden
Daten
Es wurde eine retrospektive Analyse der
vollständigen und anonymisierten Da-
tensätze der DRG-Krankenhausstatistik
der Operationen und Prozeduren der
vollstationären Patienten in Kranken-
häusern bis zum codierbaren Endpunkt
von 2005 bis 2013 durchgeführt, die
durch das Statistische Bundesamt ge-
sammelt wurden. Diese umfassten
1. diagnostische Maßnahmen,
2. bildgebende Diagnostik,
3. Operationen,
4. Medikamente,
5. nichtoperative therapeutische Maß-
nahmen und
6. ergänzende Maßnahmen.
Im Jahr 2013 wurden insgesamt 18,1 Mio.
stationäre Patienten registriert. Die Ana-
lyse der demographischen Entwicklung
Der Unfallchirurg