Altersadaptiertes Kraftausdauertraining
Ist Step-Aerobic auch für Patienten
mit Osteoporose geeignet?
Thomas Mittlmeier*, Martin Behrens
#,
Sven Bruhn
#
, Mario Bäumler
$
, Hans-Christof Schober
+
und Dagmar-C. Fischer**
Trainingsprogramme, die zum Ziel haben, neuromuskuläre und musku-
loskelettale Funktionen an der unteren Extremität zu verbessern, sind
für Patienten mit manifester Osteoporose und/oder zu erwartenden
weiteren funktionellen Einschränkungen kaum definiert. Das Ziel der
vorliegenden interdisziplinären Studie ADONIS (Altersadaptiertes
Kraftausdauertraining mit Osteoporose-Patienten – neues Interventi-
onsprogramm für Senioren) war es, ein für Osteoporose-Kranke geeig-
netes und effektives modifiziertes Step-Aerobic-Training zu etablieren
und zu evaluieren.
L
aut Angaben des Statistischen Bun-
desamtes waren Ende 2014 mehr
als 20 % der Deutschen 65 Jahre
oder älter, 11 % hatten bereits das 75. Le-
bensjahr überschritten. Im Jahr 2030 be-
trägt der Anteil der über 60-Jährigen vo-
raussichtlich 35 %, jener der über 80-Jäh-
rigen 8 % der Gesamtbevölkerung. Im-
merhin 14 % der 65- bis 69-Jährigen sind
heutzutage noch berufstätig – das sind
doppelt so viele wie noch 2005. Parallel
hierzu ist auch ein Ende des Trends hin
zu einem immer längeren Leben derzeit
nicht absehbar. Mit steigendem Alter
mehren sich allerdings auch gesundheit-
liche Beeinträchtigungen: von den 65-
bis 69-Jährigen bezeichneten sich 18 %
als krank oder unfallverletzt, von den 70-
bis 74-Jährigen 21 %, ab 75 Jahren bereits
28 %. Umgekehrt bedeutet dies, dass sich
die Mehrheit gesund fühlt und fast die
Hälſte der 65- bis 74-Jährigen ihren Ge-
sundheitsstatus als gut oder gar sehr gut
einschätzt. Sport hingegen betreibt nur
knapp jeder Dritte der über 55-Jährigen,
ein Sechstel der Bevölkerung aus dieser
Altersklasse bewegt sich überhaupt nicht
(< 10 Minuten Fußweg pro Woche).
Ohne Zweifel ist das Altern ein biolo-
gischer Vorgang, der früher oder später
zwangsläufig zu physischen Leistungs-
einschränkungen führt. Leistungsein-
bußen im mittleren Alter sind aber pri-
mär auf eine inaktive Lebensweise und
nicht auf den biologischen Alterungs-
prozess zurückzuführen; dies belegt die
seit 2005 laufende Studie PACE (Perfor-
mance – Age – Competition – Exercise).
Wie die Laufzeitanalyse von mehr als
600.000 Marathon- und Halbmarathon-
teilnehmern unterstreicht, sind geringe
Leistungseinbußen ab dem 54. Lebens-
jahr feststellbar, allerdings erreicht etwa
die Hälſte der 20- bis 54-jährigen Teil-
nehmer das Ziel später als die 25 % der
besten Läufer unter den 65- bis 69-Jäh-
rigen. Aus Befragungen wurde deutlich,
* Universitätsmedizin Rostock, Chirurgische Klinik
und Poliklinik
# Universität Rostock, Institut für Sportwissen-
schaften, Philosophische Fakultät
$ Olympia-Stützpunkt Mecklenburg-Vorpommern,
Rostock
+ Klinik für Innere Medizin I (Endokrinologie und
Osteologie), Klinikum Südstadt, Rostock
**Universitätsmedizin Rostock, Kinder- und
Jugendklinik
Abb. 1: Altersbezogene Frakturinzidenzen ermittelt für Rostock 2008/2009 [nach Bäßgen
K. et al. J. Public Health 35 (2013), 255–61]
Inzidenz / 100.000 Inzidenz / 100.000
1000
100
10
1000
100
10
0-19J
20-29J
30-39J
40-49J
44-49J
50-54J
55-59J
60-69J
70-79J
80-89J
≥-49J
Femur
Vertebra
Humerus
Radius
© Th. Mittlmeier, Universität Rostock
Orthopädie & Rheuma 2017; 20 (1) 17
Fortbildung