Dehumanisierungsstrategien im öffentlich-politischen Bioethikdiskurs um Präimplantationsdiagnostik Constanze Spieß 1. Einführung Biomedizinische und -ethische Diskurse um verschiedene Formen der Repro- duktionsmedizin gehören spätestens seit der Geburt des ersten in vitro, also künstlich erzeugten Kindes zum Gegenstand öffentlich-politischer Auseinan- dersetzungen. Die Präimplantationsdiagnostik (=PID) als eine Form genetischer Diagnostik hängt dabei unmittelbar mit der künstlichen Befruchtung, der In- vitro-Fertilisation (=IVF) zusammen, insofern das gendiagnostische Verfahren ohne künstliche Befruchtung 1 nicht möglich ist. Die ematisierungen der künst- lichen Befruchtung datieren in der medizinischen Fachdisziplin, aber auch im Bereich der Ästhetik (Literatur, Bildende Kunst, eater, später auch Film) bis in das 19. Jahrhundert (vgl. hierzu Nusser 2011, Schreiber 2011). Erste Experimente zur künstlichen Befruchtung bei Tieren reichen in das 19. Jahrhundert zurück (vgl. Schreiber 2011: 55ff.), für den Menschen wurde die künstliche Befruchtung 1 Die künstliche Befruchtung wurde entwickelt, um Paaren, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können, das Elternsein zu ermöglichen. Man unterscheidet verschiedene Formen der künstlichen Befruchtung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft, zum einen die klassische künstliche Befruchtung in der Petrischale, bei der Spermien im Reagenzglas mit der Eizelle zusammen gebracht werden und es zu einer Spontanbefruchtung kommt, zum anderen die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der unter dem Mikro- skop mit einer Pipette ein einzelnes Spermium in eine vorbereitete Eizelle injiziert wird. Bei der ICSI-Variante gibt es noch weitere Subvarianten, die sich auf die Gewinnung und Auswahl der Spermien konzentrieren. Welche Form der künstlichen Befruchtung letztlich angewandt wird, hängt mit der Spermienqualität zusammen. Im Anschluss an die gelungene Befruch- tung werden die Embryonen in die Gebärmutter eingeführt. Es werden zumeist zwei, maxi- mal aber drei befruchtete Eizellen eingesetzt, um eine höhere Erfolgsrate im Hinblick auf die Schwangerschaft zu erzielen, denn nicht jede künstlich befruchtete Eizelle nistet sich auch in der Gebärmutter ein. Nicht selten werden bei gelungener Einnistung aller zwei oder drei be- fruchteten Eizellen die Embryonen, die zu viel sind und somit als Gefahr einer Risikoschwan- gerschaft betrachtet werden, reduziert. Man spricht hier auch von Mehrlingsreduktion durch Fetozid (vgl. hierzu Domasch 2007).