Jugendsprache als Forschungsgegenstand Christa Dürscheid (Zürich, Schweiz) Erscheint in: Kramorenko, Galina (Hrsg.): Aktual'nije problemi germanistiki i romanistiki [Aktuelle Probleme der Germanistik und der Romanistik]. Bd. 10. Smo- lensk: SGPU. In which ways do young people speak and write? How are data collected in youth language research and what research results can be presented? This contribution casts a quick glance at the current state of affairs of youth language research befo- re discussing the features that are considered prototypical of juvenile speaking. Subsequently, the phenomenon of playing with language („bricolage”) is dis- cussed critically. It will be shown that bricolage is neither a feature peculiar to youth language nor always an unambiguous indicator of a creative way of dealing with language. Finally, the following questions are discussed: Are the writing skills of young people improved on account of their ways of private writing via the Internet and the mobile phone? Or do these ways of writing rather induce a deterioration of the young people’s skills in expressing themselves adequately and in using orthography correctly? ------------------------------------------------------------------------------------------------- 1. Vorbemerkungen Wie reden und wie schreiben Jugendliche? Das war die Frage, die im Zentrum einer öffentlichen Veranstaltung stand, die am 15. November 2005 im Zürcher Kongresshaus stattfand. Reden und schreiben Jugendliche nun aber tatsächlich so, wie der Titel der Tagung nahe legte („Affengeil – Megakrass“) und wie es auch in vielen Wörterbüchern zur Jugendsprache nachzulesen ist? Welche Forschungs- ergebnisse liegen dazu in der Linguistik vor, wie kommt die Jugendsprachfor- schung zu ihren Daten und welche Position bezieht sie zu der in der Öffentlichkeit immer wieder gestellten Frage nach dem Einfluss der neuen Medien auf das Schreiben der Jugendlichen? In meinen folgenden Ausführungen beziehe ich mich auf diese Fragen. Dabei kann es aber, dies sei vorweg schon gesagt, nicht darum gehen, die Jugend- sprache, das jugendliche Sprechen und Schreiben darzustellen. Dieses gibt es nicht. Es gibt den individuellen Sprachgebrauch jedes einzelnen Jugendlichen, den Sprachgebrauch in verschiedenen Kommunikationssituationen (im Gespräch mit Freunden, in der Schule, beim Arzt, am Arbeitsplatz etc.) und es gibt den Sprechstil bestimmter Gruppen und Szenen (HipHopper, Skateboarder, Techno- Fans etc.). Dennoch lassen sich bestimmte Merkmale benennen, die über alle Kommunikationssituationen hinweg zu beobachten sind und als prototypisch für jugendliches Sprechen gelten können. Welche Merkmale dies sind, soll in Abschn. 3 des vorliegenden Beitrags erläutert werden. Dabei werde ich den Schwerpunkt auf ein Merkmal legen, das in der Forschung immer wieder genannt