109 Einleitung Aufgrund der Zerstörung der Prussia-Sammlung im Zweiten Weltkrieg ging der größte Teil der laut vor- kriegszeitlicher Literatur mindestens 208 bronze- zeitliche Werkzeuge und Waffen umfassenden Prussia-Sammlung verloren bzw. beindet sich heute zum Teil in der Hand von Privatsammlern. Dabei bedrückt der Verlust von über 86% der Funde 2 : 180 Großbronzen sind verschollen. Auch in den staatlichen Museen von Berlin beinden sich keine Zur Dokumentation bronzezeitlicher Waffen und Werkzeuge aus dem ehemaligen Ostpreußen Marianne Mödlinger Mit Beiträgen von Agne Čivilyte ˙ und Ausra Seskiene 1 Zusammenfassung: Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Österreichischen Forschungsgesellschaft und des Bundesministe- riums für Wissenschaft und Forschung wurden vorhandene und heute verschollene bronzezeitliche Waffen und Werkzeuge der ehemaligen Prussia-Sammlung aus dem Gebiet des ehemaligen Ostpreußens mit Ausnah- me des heutigen Polens erstmals herstellungstechnisch und hinsichtlich ihres Gebrauches analysiert und in Form eines umfassenden Katalogs mit entsprechendem Tafelteil präsentiert. Bei einem Teil der Funde konnte darüber hinaus die Legierungszusammensetzung bestimmt werden. Im Zuge der Auswertung wurden bei na- hezu allen Funden Gebrauchsspuren entsprechend ihrer praktischen Nutzung als Werkzeug und/oder Waffe dokumentiert – ohne dabei jedoch eine weitere, potentiell kultische Nutzung, etwa im Zuge einer Deponie- rung, auszuschließen. Abstract: Bronze Age tools and weapons of the former Prussia-Collection were the topic of a research project supported by the ‘Österreichischen Forschungsgesellschaft’ and the Austrian ‘Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung’. Both, still existing and lost artefacts from former Eastern Prussia with the exception of modern day Poland were analysed for the irst time regarding their production and function and documented in a com- prehensive catalogue with corresponding plates. It was only possible to determine the chemical composition for parts of the collection. The use as weapons and/or tools could be documented for nearly all artefacts in accordance with traces of use-wear. However, a potential ritual use, like a deposition, cannot be ruled out. weiteren bronzezeitlichen Funde der Prussia-Samm- lung. Die heute noch erhaltenen Objekte beinden sich alle im Kaliningradskij oblastnoj historiko-chu- doschestwennij musej in Kaliningrad. Im Zuge der Materialaufnahme in Kaliningrad im Februar 2008 konnten 29 Stücke aufgenommen werden. Die alle- samt der alten Inventarnummern beraubten Funde wurden mit neuen Inventarnummern versehen, da eine Identiizierung der Funde anhand der vorkriegs- zeitlichen Literatur bis dato noch nicht durchgeführt worden war. Im Katalog werden hier daher sowohl 1 Frau Dr. Agne ˙ Čivilyte ˙ vom Institut für Geschichte Litauens, Kražiu ˛ g. 5, 01108 Vilnius, Litauen, ermöglichte der Autorin erst durch Ihren Einsatz die Fundaufnahme im Kaliningradskij ob- lastnoj historiko-chudoschestwennij musej. Übersetzungen und zahlreiche Diskussionen waren darüber hinaus für die Fertigstel- lung des vorliegenden Artikels überaus hilfreich. Frau Dr. Aušra Selskiene ˙ vom Staatlichen Forschungsinstitut Center für Physi- kalische Wissenschaften und Technologie, A. Goštauto Str. 9, LT-01108 Vilnius, Litauen, führte die Legierungsbestimmung an den von der Autorin beprobten Funden durch. Vgl. hierzu das Kapitel „Methodik“ und Abb. 12 von Aušra Selskiene ˙. 2 Schon J. Dąbrowski (1968, 222) merkte 1968 an, dass von den rund 900 von ihm aufgenommenen bronzezeitlichen Metallfun- den aus dem Gebiet des heutigen Nordpolens, der jetzigen Ob- last Kaliningrad, Litauen und Lettland, von denen knapp 500 als Waffe und/oder Werkzeug zu klassiizieren sind, mehr als 90% im Zuge des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Dies betraf hauptsächlich die Funde, die Teil der ehemaligen Prussia- Sammlung waren.