1 Die Realisierung unserer Bestimmung Anerkennung als ontologischer wie auch ethischer Begriff Heikki Ikäheimo heikki.ikaheimo@mq.edu.au Die endgültige Version von diesem Text ist in Hans-Christoph Schmidt am Busch & Christopher F. Zurn (Hg.): Anerkennung (Akademie Verlag, 2009, 325-348) erschienen. Einleitung Seitdem Hegel seine bekanntermaßen schwer verständlichen wie doppeldeutigen Passagen über die faszinierenden Figuren von Herr und Knecht sowie den zwischen beiden stattfindenden „Kampf des Anerkennens“ geschrieben hat, ist der Anerkennungsbegriff für Generationen von Philosophen und Sozialwissenschaftlern von inspirierender Wirkung gewesen. Und dennoch ist diesem Begriff zu keiner Zeit ein umfänglicheres Interesse entgegengebracht worden als heute. Möglicherweise aus zum Teil verschiedenen Gründen wurde Anerkennung zeitgleich ein prominentes Thema für die jüngere Kritische Theorie wie für die Fachkreise gegenwärtiger Hegelforschung und in Hegelscher Tradition stehende Philosophen. Wollen wir Anerkennung als etwas begreifen, das heute oder in naher Zukunft den Schwerpunkt eines umfassenden philosophischen „Forschungsprogramms“ 1 bildet , dann hängt wahrscheinlich viel davon ab, ob diese gegenwärtig eher zusammenhanglosen, die ‚Anerkennung„ betreffenden Diskursstränge in einer gegenseitig fruchtbaren Weise zueinander finden können. Dass dies geschehen wird, ist jedoch alles andere als selbstverständlich. Denn zumindest bisher ist eigentlich unklar geblieben, was genau der gemeinsame Bezugspunkt dieser Diskussionen wäre wenn es diesen denn geben sollte. Gibt es ein gemeinsames Phänomen oder Konzept, nach dem man auf diesen verschiedenen Wegen sucht, auf denen man über ‚Anerkennung„ spricht? Im Folgenden möchte ich sowohl für die Integrität wie auch die zentrale Bedeutung des Anerkennungsbegriffs argumentieren. Ich möchte zeigen, dass es in der Tat ein gemeinsames, holistisches Konzept gibt, welches umfassend genug ist, die verschiedenen Diskursstränge zum Thema ‚Anerkennung„ miteinander zu verbinden. Darüber hinaus möchte ich darlegen, dass mit diesem Konzept etwas erfasst wird, das von wesentlicher Bedeutung sowohl dafür ist, was wir sind, als auch dafür, wovon unser Leben im Guten wie im Schlechten abhängt. Meine Abhandlung gliedert sich folgendermaßen: Zuerst werde ich zwei eher idealtypische Weisen 1 Avishai Margalit, Recognition II. Recognizing the Brother and the Other, in: Aristotelian Society Supplementary Volume 75 (2001), 127139.