NachrBl. bayer. Ent. 56 (1/2), 2007 19
Insektengemeinschaften im Kronenraum von Koniferenarten
im Forstlichen Versuchsgarten Grafrath
(Coleoptera: Coccinellidae, Curculionidae, Elateridae;
Heteroptera; Neuropterida; Trichoptera)
Johannes BURMEISTER, Martin GOßNER, Axel GRUPPE
Abstract
The present study in the „Forstlicher Versuchsgarten Grafrath“ confirmed that pine harbours the
most species rich insect fauna among the examined conifers (Picea abies, Pseudotsuga manziesii,
Abies alba, Larix decidua, Pinus sylvestris). In contrast, neophytic Douglas-fir was rather poor in
species and specimens. The occurrence of specialists was not uniform on the different tree species.
Conspicuously more specialists were found on the shade-intolerant tree species pine and larch.
Despite the spatial adjacency of the research plots and the mobility of the studied taxa, the host
specificity of many species was confirmed by present study. The first record of Brachynotocoris
puncticornis REUTER, 1880 (Heteroptera) for Bavaria after more than 50 years is remarkable.
Einleitung
Die Baumkrone stellt den größten oberirdischen Anteil an Volumen und Oberfläche eines Baumes.
In der Vergangenheit wurde sie dennoch bei wissenschaftlichen Untersuchungen eher vernachlässigt.
In den meist stark anthropogen überprägten Wäldern Mitteleuropas erwartete man im Gegensatz zu
den Tropen nichts spektakulär Neues in diesem Stratum, weshalb die Etablierung der Baumkronen-
ökologie als Forschungszweig hier erst im letzten Jahrzehnt erfolgte. Während dieser Zeit wurden
zahlreiche Studien zu Unterschieden in der Zusammensetzung verschiedener Taxa und Gilden, zwi-
schen Straten, Regionen, Bestandstypen und Baumarten durchgeführt (z.B. SIMON 1995, SCHUBERT
1998, FLOREN & SCHMIDL 1999, GOßNER 2004, 2005, GRUPPE 2006a, FLOREN & KRAUS 2006), die
im ersten Buch über die Arthropodengemeinschaften mitteleuropäischer Baumkronen zusammenge-
fasst werden (FLOREN & SCHMIDL 2006).
Vorliegende Untersuchung ging der Frage nach, wie relativ mobile Arthropodengruppen in ei-
nem baumartenreichen Waldbestand von relativ kleiner Ausdehnung auf verschiedenen Koniferenar-
ten verteilt sind. Die Untersuchung wurde im Forstlichen Versuchsgarten Grafrath mit seinen über
200 verschiedenen einheimischen und fremdländischen Baumarten in Kleinbeständen durchgeführt.
Berücksichtigt wurden hierbei verschiedene heimische Nadelbäume und die neophytische Douglasie.
Ein Vergleich zwischen diesen Baumarten an einem Standort versprach Hinweise auf die unter-
schiedliche Verteilung zwischen den Baumarten und die Bedeutung der Baumart (mit allen artspezi-
fischen und lokalen Einflussgrößen) für die Lebensgemeinschaft. Im Detail wurde getestet, ob und
wenn ja bei welchen Arten Baumartenpräferenzen für eine bestimmte Koniferenart nachgewiesen
werden können und ob diese bisherige autökologische Kenntnisse stützen.
Untersuchungsgebiet, Material und Methoden
Der Forstliche Versuchsgarten in Grafrath, in dem die Untersuchung durchgeführt wurde, umfasst
34 ha und untersteht der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) in Freising. Der Ort
Grafrath (Regierungs-Bezirk Oberbayern, Landkreis Fürstenfeldbruck, TK 7833) liegt etwa 7 km
nördlich des Ammersees und somit im nördlichsten Ausläufer des Wuchsbezirks 14.4 ,”Oberbayeri-
sche Jungmoräne und Molassevorberge” (Teilwuchsgebiet 14.4/1, ”Westliche kalkalpine Jungmorä-
ne”). Die kiesig-sandigen Lehme der Grafrather Endmoräne bilden Parabraunerden mäßig frischer
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