33 Ulrike Ludwig Der Zauber des Tötens. Waffenmagie im frühneuzeitlichen Militär Daß des Feindes Stücke zerspringen Wenn man eine Stück=Kugel findet, die erst verschossen worden, und noch warm ist, so soll so fort eine Weibes-Person, die eben ihr Menstruum hat, ihr Wasser darauf lassen, so wird bey dem nächsten Schuß, so aus diesem Stück gethan wird, dasselbe zerspringen. 1 Dieser, mit Blick auf die Bedeutung des Trosses im frühneuzeitli- chen Militär zweifellos amüsante Rat entstammt dem 1726 erschie- nenem Vollkommenen Teutschen Soldat von Hans Friedrich Fleming. Darin ist in enzyklopädischer Manier das damalige Wissen über Krieg und Militär versammelt und das Werk gehörte bis weit in das 18. Jahrhundert zu den wichtigsten Militärhandbüchern. 2 Galt Fle- ming in der bisherigen Forschung gern und auch völlig zurecht als Paradebeispiel für den auf eine Disziplinierung zielenden Zeit- geist, 3 so zeigt das darin enthaltene Kapitel Von allerhand magischen, sympathetischen und anderen dergleichen Kunststücken, die den Soldaten angenehm und nützlich sind, in dem sich auch eingangs genannter Ratschlag findet, dass magische Vorstellungen und magische Prak- tiken im frühen 18. Jahrhundert ganz selbstverständlich Teil mili- tärisch relevanten Wissens waren. 4 1 Hannß Friedrich Fleming, Der Vollkommene Teutsche Soldat (...) Leipzig 1726, S. 355. 2 Dazu etwa Stefan Kroll, Soldaten im 18. Jahrhundert zwischen Friedensalltag und Kriegserfahrung. Lebenswelten und Kulturen in der kursächsischen Armee 1728-1796, Paderborn u. a. 2006, S. 185. Zu Fleming als Referenzpunkt für an- dere Schriften zum Militär: Stephanie Schwarzer, Zwischen Anspruch und Wirk- lichkeit. Die Ästhetisierung kriegerischer Ereignisse in der Frühen Neuzeit, Mün- chen 2006, S. 53. Prominent ist die Übernahme langer Passagen aus dem Werk in Zedlers Lexikon, dazu: Daniel Hohrath, Die Beherrschung des Krieges in der Ordnung des Wissens. Zur Konstruktion und Systematik der militairischen Wissen- schaften im Zeichen der Aufklärung, in: Theo Stammen, Wolfgang Weber (Hrsg.), Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung: Das europäische Modell der Enzyklopädien, Berlin 2004, S. 371-386, hier S. 373 f. 3 Dazu etwa Stefan Kroll, Soldaten (Anm. 2), S. 185 f. 4 Insgesamt ist seit der zweiten Hälfte des 17. und dann vor allem im 18. Jahrhun- dert geradezu ein publizistischer Boom von Zauberbüchern und -anleitungen festzustellen. Dazu Eva Labouvie, Wissenschaftliche Theorien – rituelle Praxis.