Zeitschrift für philosophische Forschung, Band 64 (2010), 1 Robin Celikates, Frankfurt/Main Republikanismus zwischen Politik und Recht Ein Literaturbericht Richard Bellamy: Political Constitutionalism. A Republican Defence of the Con- stitutionality of Democracy, 270 S., Cambridge University Press, Cambridge 2007. Samantha Besson & José Luis Martí (Hrsg.): Legal Republicanism. National and International Perspectives, 347 S., Oxford University Press, Oxford 2009. Cécile Laborde: Critical Republicanism. The Hijab Controversy and Political Philosophy, 385 S., Oxford University Press, Oxford 2008. Cécile Laborde & John Maynor (Hrsg.): Republicanism and Political Theory, 280 S., Blackwell, Oxford 2008. Andrew Schaap (Hrsg.): Law and Agonistic Politics, 229 S., Ashgate, Farnham 2009. Die Prophezeiung, der zufolge die Renaissance des Republikanismus bald an ihr aufgrund mangelnder systematischer Relevanz verdientes Ende kommen werde (etwa Goodin 2003), hat sich inzwischen als doppelt falsch erwiesen. In den letzten Jahren konnte sich der Republikanismus als die vielleicht überzeu- gendste – in jedem Fall aber als systematisch relevante – Alternative zum Libe- ralismus etablieren. Diese Entwicklung ist insbesondere den Arbeiten Quentin Skinners (1997, 2002, 2009) und Philip Pettits (1997, 2001, 2007) geschuldet, in deren Zentrum die Ausarbeitung einer spezifisch republikanischen Theorie der Freiheit als Alternative zum liberalen Verständnis von Freiheit als Abwesenheit von Eingriffen steht. Es lassen sich grob zwei Varianten des Republikanismus unterscheiden. Die aristotelische oder „neo-athenische“ Variante stellt die für das gute Leben des einzelnen konstitutive Teilnahme am politischen Leben in der polis und die hierfür nötigen Tugenden in den Vordergrund. Hingegen legt die unter anderem an Cicero anschließende „neo-römische“ Variante den Schwer- punkt auf die Herrschaft des Rechts und die Entgegensetzung von Freiheit und Sklaverei. Skinner und Pettit schließen sich dezidiert der zweiten Strö- mung an – und arbeiten sie auf eine weit über die Tradition hinausgehende systematische Weise aus. Sie teilen nämlich den liberalen Verdacht, dem zu- folge das (etwa auch von Hannah Arendt vertretene) aristotelische Modell auf der Basis nicht haltbarer anthropologischer Annahmen ein problemati- sches positives – an der Selbstverwirklichung der Natur des Menschen und der politischen Partizipation als Eigenwert orientiertes – Verständnis von Freiheit vertritt.