Ostrów Lednicki stellt eine Insel im Lednica-See im Zentrum Großpolens dar, auf welcher im 10. Jh. eine Burg gebaut wurde. Als eine der ersten Residenzen der Herrscher des Frühpiastenreiches erlebte sie ihre Blütezeit unter der Herrschat von Mieszko I., Bolesław Chrobry und Mieszko II. (2. Hälte des 10. bis 1. Hälte des 11. Jhs.). Die Anfänge des neuzeitlichen Interesses an Ostrów Lednicki gehen auf die 40er Jahre des 19. Jhs. zurück (Fogel 1991, 11-34). Damals hat der Besitzer der Insel – Karol Johannes aus Dziekanowice – die dortigen Ruinen des Palastes als eine Baustofquelle betrachtet. Damals wurden ca. 400 Wagen mit Kalk- stein abtransportiert und die Reste der Architektur zu Kalk gebrannt. Erste Veröfentlichungen von Ostrów Lednicki gab es schon 1822, eine ausführliche Beschreibung von Edward Graf Raczyński enthält „Wspomnienia Wielkopolski“. 1845 wurden erste Untersuchungen auf der Insel durchgeführt. Allerdings fand erst nach 1856, als Ostrów Lednicki vom Graf Albin Węsierski gekaut worden war, eine rege Forschungstä- tigkeit statt. Sie wurde 1876 mit der ersten Monographie der mysteriösen Ruinen eines Steingebäudes auf der Insel von Marian Sokołowski abgeschlossen. Weitere Forschungsarbeiten, die in verschiedenen Jahren von diversen Wissenschatlern durchgeführt wurden, konzentrierten sich hauptsächlich auf die Burg, die Befestigung, die Brücken und Gräberfelder. 1969 wurde zum Schutz und zur Erforschung von Ostrów Lednicki das Museum der Ersten Piasten auf Lednica gegründet. Die langjährigen Forschungen auf Ostrów Lednicki und in seiner Umgebung (Abb. 1) haben dazu geführt, dass 1982 eine interdisziplinäre Gruppe für die komplexe Untersuchung der Region von Lednica berufen wurde. Das war der Beginn einer neuen Phase der vielfältigen (archäologischen, architektonischen, historischen und naturwissenschatlichen) Forschungsarbeiten in einem Gebiet von etwa 1000 km 2 (Dzięciołowski/Górecki 1989, 185-199). An der Wende von den 70er und 80er Jahren des 20. Jhs. wurde die Aufmerksamkeit der Archäologen auch auf die frühmittelalterliche Burg und Siedlung in Moraczewo gerichtet (Abb. 2). Der Burgberg (Mora- czewo, Fundstelle 1) beindet sich ca. 3 km südwestlich vom Burgkomplex Ostrów Lednicki. Er liegt in einem postglazialen Moränengebiet und in seiner Nähe ließt der Fluss Główna, ein Nebenluss der Warthe. Im Früh- mittelalter bildete das Gewässer einen Bestandteil der Wasserstraße zwischen Ostrów Lednicki und Poznań (Górecki 2002, 29 f.). Als Resultat der auf dem Burgberg von Moraczewo durchgeführten archäologischen Untersuchungen wurde ermittelt, dass es sich hier um Überreste einer der ältesten Burgen der Piastenzeit (aus der Wende vom 9. zum 10. Jh.) in der Umgebung von Gniezno handelt (Strzyżewski/Łastowiecki/Kara 2003, 79 f.). In der ersten Phase umfasste die Burg in Moraczewo ein Terrain von etwa 0,75 ha, das durch einen Ringwall und Gräben umgeben war. Unter den dort registrierten Objekten ist ein großes Gebäude mit Abmessungen von ca. 15 x 12 m besonders bemerkens- wert. Es war ein oberirdisches Gebäude mit Wänden in Blockbaukonstruktion, wahrscheinlich mit Teilung in zwei Innenräume. Im Inneren wurden Überreste von zwei Brennstellen und einer Grube (Keller) entdeckt. In der zweiten Etappe – im 2. Viertel des 10. Jhs. – wurde die Burg in Richtung Osten vergrößert. Ein Teil des Grabens wurde zugeschüttet, ein Teil des Burgwalls abgebaut und das Gelände geebnet. Im westlichen (älteren) Teil, oberhalb der Relikte eines früheren Gebäudes, wurde unter anderem ein neues, großes Hallengebäude in der Größe von ca. 14 x 10 m errichtet. In seinem Inneren wurden drei in der Nachbarschat liegende Brennstellen entdeckt. Das Gebäude wurde höchstwahrscheinlich zu Anfang der 2. Hälte des 10. Jhs. verbrannt. Im östlichen Teil der Burg wurde ein Grubenhaus (półziemianka) mit zwei Herdstellen registriert, das direkt am Wall lag. Die weiteren beiden in der Burg entdeckten Feuerstellen Der Siedlungskomplex des mittelalterlichen Zentrums auf der Insel Ostrów Lednicki Danuta Banaszak – Arkadiusz Tabaka I. Boháčová/L. Poláček (Hrsg.), Burg – Vorburg – Suburbium. Zur Problematik der Nebenareale frühmittelalterlicher Zentren Internationale Tagungen in Mikulčice VII, Brno 2008, 79-90