Ulrich Schödlbauer / Joachim Vahland Das Ende der Kritik Schlußteil: Das Jahrhundert der Intellektuellen (Autor: Ulrich Schödlbauer) Es ist demnach ganz klar, daß die Erschließung der Welt nicht ätherisch-überzart, im ganz reinen, aber ganz flüchtigen Medium des Imaginär-Anderen als des Horizonts, vor dem unmittelbar, sofort alles potentiell in allem, mit allem – wenigstens imaginär – ganz anders wird und so, nie direkt faßbar, universale Verbundenheit vor der Konstruktion spezifischer Differenzzusammenhänge indiziert, sich bewegt und vollzogen wird, sondern daß dies handfest-real, als Selbstbehauptung, die auf Beherrschung aus ist, manifest werden muß, auch wenn diese in der falschen Neutralität bloßer Neugierde sich versteckt; denn die theoretische Neugierde ist nichts anderes als die Interpretation der zupackenden Einheit des Bewußtseins unter dem mühselig erworbenen Ideal möglicher Objektivität. Wolfgang Marx, Bewußtseins-Welten 1. Zwar haben die Intellektuellen das Jahrhundert nicht in gleicher Weise geprägt wie die Massenmörder, die Wohlfahrt und die ethnischen Säuberungen. Dennoch war es ihr Jahrhundert. Das – nennen wir es einmal so – Unbehagen in der Schriftkultur ent - hält die Aufforderung an sie, Abschied zu nehmen: Wovon, das bleibt die Frage. Zu viele Abschiede, zu viele Ankünfte; nicht allein Intellektuellen fällt es schwer, derglei - chen noch ernst zu nehmen. Und sie passen sich an: Man kann beim besten Willen nicht mehr behaupten, daß sie es ernst meinen. Darin liegt auch ein Abschied, kein Zweifel, der langsame, von Kehrtwenden aller Art durchsetzte Rückzug aus einer In - szenierung, die vielleicht überflüssig, aber niemals langweilig war – ein Luxus, wie ihre besseren Vertreter immer gewußt haben. Ein Luxus des Subjekts, das angesichts seiner Diagnosen entweder in spröder Resignation verharrt oder als Dolmetscher von Sehnsüchten auftritt, die mit der Oberfläche der Dinge zu sehr verklebt sind, als daß ihr verstreutes Aufflackern jemals das Reich der Freiheit hätte ankündigen oder der Verwirklichung näherbringen können. Auch im brüchigen Universum der Intellektu- ellen hatten und haben die Frondeure des Prinzips Hoffnung einen schweren Stand. Richtig ist allerdings, daß die kluge Einschätzung des Umstands, wie schwer es fällt, alle imaginär gerichtete Hoffnung fahrenzulassen, ihnen das Überleben gesichert und sie unter Herrschaften in Gefahr gebracht hat, für welche die Überführung sol - cher Hoffnungen in Gegenwart beschlossene Sache war.