Verschränkung von Perspektiven durch Aushandlung Thomas Herrmann*, Gerry Stahl** *Universität Dortmund, Informatik und Gesellschaft, ** University of Colorado, Boulder, Center of LifeLongLearning and Design Abstract: To foster collaborative learning a system should support perspectival viewing and negotiation in a natural way. A systeme - called WebGuide - is described which supports teams of students conducting collaborative research on the web; it lets them share bookmarks, queries, notes and summaries that arise in their research. The shared in- formation space is viewed through various perspectives so that all participants can construct their own personal view of the materials, rearranging them under different categories and generating new summaries or annotations. All information can be modified within a personal perspective. Participants can propose that items they have created be incorporated in the team's shared perspective. For a proposed item to be accepted in the team perspecti- ve, team members must deliberate and agree to accept it. Therefore, a negotiation mechanism is provided. 1 Einleitung 1.1 Zielsetzung Das WWW ist ein naheliegendes Instrument zur Unterstützung von kooperativer Arbeit. Insbe- sondere stellt es eine vielfältige und entsprechend unüberschaubare Informationsbasis dar, auf die sich kooperative Arbeit beziehen kann. In Kooperationsbeziehungen hat jeder einzelne Ak- teur seine eigene Perspektive, unter der er diese Informationsbasis nutzt. Mit Perspektive ist hier gemeint, daß ein eingeschränkter Ausschnitt der Informationsbasis betrachtet wird, der festge- halten, kategorisiert, kommentiert und modifiziert werden kann. Im Rahmen kooperativer Arbeit ist es erforderlich, daß diese Perspektiven miteinander verschränkt werden. Das kann bedeuten, daß man die Perspektiven anderer zur Kenntnis nimmt, daß man einen Teil von anderen Per- spektiven in die eigene übernimmt etc. Eine besondere Herausforderung stellt es dar, verschie- dene Perspektiven zu einer gemeinsamen Perspektive zusammenzufügen. Im Falle einer wis- senschaftlichen Arbeitsgruppe oder auch für ein aus Schülern oder Studenten gebildetes Team können wir uns vorstellen, daß zunächt in Einzelarbeit zu einem Thema Informationen mit Hilfe des WWW gesammelt und bearbeitet werden. Zu einem gegebenen Zeitpunkt wird es darauf ankommen, diese Informationen miteinander zu verbinden, das heißt zu entscheiden, welche Informationen dem weiteren Arbeiten des gesamten Teams als gemeinsame Grundlagen dienen soll. Ein solcher Entscheidungsprozeß bedarf in der Regel mehrerer Verständigungs- und Aus- handlungsschritte. Ein Teil dieser Schritte kann durch geeignete Groupware-Konzepte selbst unterstützt werden. Sofern sich die Aushandlung auf Perspektiven bezieht, die mit dem WWW verbunden sind, ist es sinnvoll, die Unterstützung der Aushandlung ebenfalls auf das WWW aufzubauen. Wir schlagen im folgenden ein Konzept vor, mit dem man auf Basis des WorldWideWeb In- formationssammlungen einzelner Mitglieder eines Teams miteinander verschränken kann und sowohl inidividuell als auch kollektiv bearbeiten kann. Sommer, M.; Remmele, W.; Klöckner K.: Interaktion im Web -Innovative Kommunikations-formen. S. 95-112