Fassung vom 20.02.2011, 17:25 Seiten insgesamt: 23 matthias.kettner@uni-wh.de – thomas.loer@uni-wh.de Prof. Dr. Matthias Kettner (Private Universität Witten/Herdecke) PD Dr. Thomas Loer (Private Universität Witten/Herdecke und TU Dortmund) Standardisierung und Professionalisierung in der Klinik. Von Zielkonflikten zu Synergien? Bericht zum Forschungsprojekt * Vorbemerkung Die angefügten Aufsätze Aufsatz 1: Loer, Thomas (2011): Standardisierung und Fallorientierung in der Arzt/Patient- Interaktion im Krankenhaus – Konzeptualisierung und exemplarische Analyse. In: Kettner, Matthias; Koslowski, Peter (ed.), Wirtschaftsethik in der Medizin: Wieviel Ökonomie ist gut für die Gesundheit?, München: Wilhelm Fink, 115-153 Aufsatz 2: Kettner, Matthias; Loer, Thomas (2011): Das Arbeitsbündnis von Arzt und Pati- ent unter Ökonomisierungsdruck. In: Wild, Verina; Pfister, Eliane; Biller-Andorno, Nikola (ed.), DRG und Ethik. Ethische Auswirkungen von ökonomischen Steuerungselementen im Gesundheitswesen, Muttenz: EMH Verlag, 137-152 Aufsatz 3: Kettner, Matthias; Loer, Thomas (2011): Arzt und Patient. Dualität und Einheit im therapeutischen Wirkbündnis. In: Hoffstadt, Christian F.; Peschke, Franz; Nagenborg, Michael; Müller, Sabine (ed.), Dualitäten, Bochum: projekt verlag, (Arbeitstitel; in Vorbe- reitung) und die angefügte Fallanalyse 3: Loer, Thomas: Analyse KKH-3 09-5-5,8 P3 (Toller), auf die im vorliegenden Bericht häufig verwiesen wird, sind als dessen integrale Bestandteile zu verstehen. Dort findet sich ein wesentlicher Teil der theoretischen Explikationen, empiri- schen Analysen und Ergebnisdarstellungen des Pilotprojekts. Ausgangsfragestellung Die vielfältigen Formen der Standardisierung von Tätigkeiten und der Automatisierung stan- dardisierter Tätigkeiten, wie sie vor allem durch den Forschritt der Informationstechnologie eröffnet werden, die zunehmend auch in Krankenhäusern aufgegriffen werden, sollten in un- serem Pilotforschungsprojekt im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Abläufe und Tätig- keiten in Krankenhäusern untersucht werden. Die Frage, ob hier Zielkonflikte zwischen den Vorteilen der Standardisierung und dem konstitutiven Zweck des Krankenhauses auftreten und Verwerfungen produzieren oder eher synergetische Effekte zu beobachten sind – oder beides, je nach Bereich – stand dabei am Anfang. Die auf vielen Ebenen bestehenden Ansätze für die Standardisierung von Tätigkeiten im klinischen Rahmen bestimmten die anfängliche Entfaltung eines idealen Forschungsplans. Die Orientierung der Behandlung an vorgegebenen Standards – u. a. auch DRGs, Klinischen Behandlungspfade 1 usw. – stellt das ärztliche und pflegerische Handeln in der alltäglichen Krankenhauspraxis vor nicht unerhebliche Schwierigkeiten. „Ziel [der DRGs] ist es, für eine bestimmte Erkrankung ein bestimmtes Honorar zu bezahlen, unabhängig von den individu- ellen Aufwendungen und unabhängig von der Klinik, in der sie erbracht werden.“ (Neu- * Wir danken der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung (Wuppertal) für die finanzielle Förderung und dem IZVF der Privaten Universität Wit- ten/Herdecke für die Unterstützung durch wissenschaftliche Begleitung. 1 Vgl. hierzu Wall et al. 2006: 46-50. – Es ist etwa hier die Frage aufgeworfen, ob die Individualität des jeweiligen Falles auf ein „Abwei- chen vom ex-ante als optimal erwarteten Behandlungspfad“ reduziert wird (a. a. O.: 48) oder ob sie in diesem Verständnis noch vollgültig als Individualität zur Geltung kommen kann.