Erschienen in: A. Sell / M. Wiegand-Kottisch (Hg.), Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik in der Globalisierung, Spielräume regionaler, nationaler und internationaler Akteure, Hamburg: Lit-Verlag 2006, S. 197-212. Von den Nachbarn lernen? Erfahrungen europäischer Arbeitsmarktpolitik Hans H. Bass * Hochschule Bremen 1 Einleitung Die Suche nach dem richtigen „Rezept“ zur Behebung der hohen Arbeitslo- sigkeit in Deutschland dauert auch unter der neuen Bundesregierung an. Da- bei richtet sich der Blick immer wieder ins Ausland. Als arbeitsmarktpoliti- sche Vorbilder werden in Europa vor allem Dänemark, Großbritannien und die Niederlande genannt (so etwa die Mehrheitsmeinung im Gutachten des Sachverständigenrates, SVR 2005, S. 173-178). Dabei hat man gemeint, ver- schiedene „Modelle“ entziffern zu können: eine dänische Mischung aus Fle- xibilität und Sicherheit („Flexicurity“), den „New Deal“ von „New Labour“ in Großbritannien, der individuell aktiviert aber gegebenenfalls auch streng sanktioniert, und das niederländische „Polder-Modell“, das sehr stark auf die Kooperation der Sozialpartner im gesamtgesellschaftlichen Interesse setzt. 2 Arbeitsmarktperformance im Vergleich Dass die nordwest-europäischen Nachbarn in der Arbeitsmarktperformance tatsächlich erfolgreicher als Deutschland sind, lässt sich an verschiedenen In- dikatoren zeigen, vornehmlich (1) an der standardisierten Arbeitslosenquote, (2) an dem Anteil der Langzeitarbeitslosen, und (3) an der Partizipationsrate. * Der Autor dankt Ernst Niemeier und Hans Martin Niemeier für die kritischen Anmerkun- gen zu einer früheren Fassung dieses Textes.