1 FORUM KULTUR UND ÖKONOMIE Sperrfrist bis 18.3.2010, 11.30 Uhr FORUM CULTURE ET ÉCONOMIE Es gilt das gesprochene Wort 18. und 19. März 2010 in Luzern Dr. Eleonora Belfiore Assistenzprofessorin am Zentrum für kulturpolitische Studien der Universität Warwick, England E.Belfiore@warwick.ac.uk Über die Zweckdienlichkeit hinaus: Eine Kritik der politischen Instrumentalisierung der Kultur Als mich Pius Knüsel dazu einlud, an dieser Tagung teilzunehmen, erklärte er mir in einigen sehr interessanten E-Mails und Telefonaten, worum es bei dem Forum gehen würde und mit welchen Themen sich mein Referat befassen sollte. Zu den zentralen Fragen, von denen er hoffte, dass sie bei dieser Konferenz diskutiert würden, gehörte folgende: Was bleibt von Kulturpolitik übrig, wenn man alle politisch motivierten Legitimationen für Kulturförderung weglässt? Oder anders gefragt: Was macht Kunst – abgesehen von den auf ihren sozioökonomischen Effekten basierenden Argumenten, die in den meisten Ländern weltweit den Diskurs um Kunst und deren Finanzierung zu dominieren scheinen – für eine Gesellschaft wichtig oder wertvoll (und damit – nicht nur in finanzieller Hinsicht – unterstützungswürdig)? Dies ist in der Tat eine sehr bedeutsame Frage, und ich mich freue mich darauf, sie gemeinsam mit Ihnen in den beiden kommenden Tagen zu erörtern. Zwar kann ich Ihnen keine endgültige Antwort versprechen, hoffe aber, Ihnen mit einigen Beobachtungen und einer Analyse der Merkmale des gegenwärtigen kulturpolitischen Diskurses einige Ideen und Gesprächsstoff für die beiden kommenden Tage liefern zu können. Um, wie es der Titel meines Referats verspricht, „über die Zweckdienlichkeit hinaus“ zu gehen, müssen wir uns über die Bedeutung des Begriffs „Zweckdienlichkeit“ einig sein und möglicherweise das Phänomen der Instrumentalisierung kritischer betrachten, als dies in kulturpolitischen Debatten oftmals der Fall ist. Dazu ist es meines Erachtens wichtig, sich bewusst zu werden, worauf das zunehmende Gewicht instrumentalisierender Begründungen für die Kulturförderung in den letzten Jahren zurückzuführen ist, um davon ausgehend über mögliche neue Stossrichtungen der Debatte nachzudenken. Die meisten der konkreten Beispiele, die ich anführen werde, stammen aus Grossbritannien, da ich in England lebe und