Rollenentwicklung und Online-Communities: ein Modell zur Organisationsentwicklung Isa Jahnke isa.jahnke@uni-dortmund.de 1. Problemstellung Unternehmen operieren heutzutage über Orts- und Ländergrenzen hinweg und sind global vernetzt. Ihre Arbeitsprozesse müssen, insbesondere bei dezentral operierenden Abteilun- gen 1 , verstärkt aufeinander abgestimmt werden. Dabei erfolgt die Kommunikation nicht mehr allein face-to-face, sondern vermehrt computerunterstützt, beispielsweise per Email oder Video-Conferencing. Mit der Verteilung der Mitarbeiter in dezentrale Abteilungen geht einher, dass auch das gesamte Wissen einer Organisation global verteilt ist. Daher müssen Unternehmen, um Wettbewerbs- und handlungsfähig zu bleiben, ihre Arbeits- und Ge- schäftsprozesse unter anderem mit systematischem Workflow- und Wissensmanagement unterstützen, um schnell und angemessen auf die sich wandelnden Umweltanforderungen reagieren zu können (Wissensmanagementansätze und technische Plattformen werden z.B. bei Lehner 2000 erörtert). In diesem Zusammenhang wird neuerdings die Aufmerksamkeit verstärkt auf die Analyse und Gestaltung der sozialen Beziehungen in Unternehmen gelenkt. Es wird davon ausgegan- gen, dass „starke“ soziale Beziehungen die Arbeits- und Wissensaustauschprozesse (und damit die Produktivität des Unternehmens) effektiver machen. In der Literatur wird dies als soziales Kapitel (social capital) bezeichnet. „Strong relationships, most managers will agree, are the grease of an organization“ (Prusak & Cohen 2001, S. 86). Diese besondere Art der Vernetzung sozialer Beziehungen ermöglicht es den Mitgliedern, ihre Aufgaben in der Orga- nisation gut (effizient) oder sogar besser (produktiver) zu erfüllen (Wellman et al. 2001). Insofern ist es für eine Organisation hilfreich, neben ihren formalen Strukturen (Aufbau- und Ablauforganisation) die Entwicklung von starken informellen Beziehungen bewusst zu un- terstützen. Um starke sozialen Beziehungen in Unternehmen zu initialisieren, muss es den Beteiligten möglich sein, Verbindungen, Vertrauen und Kooperationen zu anderen aufzubau- en und diese zu pflegen (Prusak & Cohen 2001, S. 88). Dies ist gerade bei dezentral operie- renden Akteuren mittels Computerunterstützung möglich. Eine Unterstützung der Entwick- lung virtueller Netzwerke und Gemeinschaften (Online-Communities) ist demnach notwen- dig. Das hört sich einfach an, führt aber zu folgendem Problem: Communities haben zwar das Potential, soziale Beziehungen in Organisationen 2 zu verstär- ken (z.B. Henschel 2001; Schön 2000; Schmidt 2000), jedoch sind Barrieren 3 vorhanden, die 1 Dezentral operierende Abteilungen sind räumlich verteilte Abteilungen, die von einer „Zentrale“ abhängen und ihre Arbeitsprozesse mit der zentralen Einrichtung abstimmen müssen. 2 Im folgenden wird der Begriff „Organisation“ verwendet, der Profit-Organisationen wie z.B. Unternehmen und Non-Profit-Organisationen, wie z.B. Öffentliche Verwaltung und Universität einschließt. 3 Eine ausführliche Betrachtung der Wissensbarrieren liefern Adelsberger et al. (2002). Paper für das Doktorandenseminar auf der "Mensch und Computer" am 5. Sept. 2004; Organisiert durch die Fachgruppe CSCW der GI , Prof. Dr. Michael Koch