144 Gisli Magnusson Rilke und der Okkultismus »De l’athéisme à Swedenborg, un pas!« (August Strindberg: Inferno 1 ) Daß der Dichter Rainer Maria Rilke sich mit okkulten Materien ausein- andersetzte, dürfte wohl keinem, der sich eingehender mit ihm beschäftigt hat, entgangen sein. Es entsteht bei vielen, denen eine tiefere Kenntnis des okkultistischen Diskurses abgeht, die Vorstellung, als ob ›Störelemente‹ bei einem sonst aufgeklärten Dichter an unvermuteter Stelle zu Tage treten. Die Berührungsangst und prinzipielle Abneigung vieler Rilke- Philologen gegenüber dem Okkultismus dürften bei dieser Beurteilung eine Rolle spielen. Hinzu kommt, daß das Wissen um den Umfang okkulter Vorstellungen im Zeitraum 1880 bis 1930 allmählich abhanden gekommen ist. Rilkes Verhältnis zur okkulten Sphäre darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden; was Rilke als Künstler ermöglicht, okkultistische Elemente in seine Werke zu integrieren, ist das Vorhandensein einer literarischen Strömung, die ohne Esoterik und Okkultismus nicht denkbar ist: der Symbolismus. 2 Daß Rilke – wie George und Hofmannsthal – als 1 August Strindberg: Inferno. Samlade Verk, Bd. 37 (Französischer und schwe- discher Text). Stockholm 1994, S. 282. 2 In der deutschsprachigen Forschung hat der Aufsatz von Friedhelm Wilhelm Fischer: Geheimlehren und moderne Kunst. Zur hermetischen Kunstauffassung von Baudelaire bis Malewitsch. In: Roger Bauer u. a. (Hg.): Fin de Siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende (= Studien zur Philosophie und Literatur des 19. Jahrhunderts, Bd. 35), Frankfurt/M 1977, S. 344–377, allmählich einen klassischen Status erreicht. Seine Klassizität rührt von seiner Singularität her. Im Sammelband der Ausstellung: Okkultismus und Avantgarde. Von Munch bis Mondrian 1900–1915 findet man eine Reihe einschlägiger Aufsätze. Veit Loers (Hg.): Katalog zur Ausstellung Schirn Kunsthalle Frankfurt 3. 6. – 20. 8. 1995, Ostfildern 1995. Naturgemäß liegt hier das Hauptgewicht auf der Malerei. Im französischen akademischen Diskurs kann man aus vielfältigeren Quellen schöpfen. Siehe beispielsweise Alain Mercier: Les sources ésoteriques et