JENNY AUDRING Deflexion und pronominales Genus Abstract: The study reported in this paper explores the consequences of deflection and syncretism on gender systems. It discusses a number of Germanic languages that have a higher number of genders in the pronominal paradigms than elsewhere in the morphology. The contrastive study shows that genders only marked on pro- nouns are always semantically organized, even when the rest of the system em- ploys other rules. Moreover, the rules that underlie semantically driven pronoun use in the languages considered can be aligned to a conceptual scale known as the Individuation Hierarchy. This links the Germanic facts to more general typo- logical and cognitive patterns. 1 Einleitung Natürliche Tendenzen im Sprachwandel führen mitunter zu problematischen Situationen. Ein interessantes Beispiel findet sich in Genussystemen. In flek- tierenden Sprachen, die zu Deflexion und zu fortschreitendem Synkretismus neigen, gilt die übereinzelsprachliche Tendenz, dass die Reduktion von Ge- nusmorphologie bestimmte Elemente eher erfasst als andere. Die typische Reihenfolge ist die folgende (nach PRIESTLY 1983 und CORBETT 1991): (1) Nomen > Attribut > Prädikat > Personalpronomen Elemente im linken Teil der Hierarchie reduzieren oder verlieren ihre Genus- marker tendenziell früher als Elemente im rechten Teil. Synchrone Spuren solcher historischen Entwicklungen finden sich in Genus- systemen, in denen einige Elemente ein stärker differenziertes Paradigma haben als andere. Besonders auffällig ist dies in Sprachen, in denen Pronomi- na eine deutlich reichere Genusmorphologie besitzen als andere kongruieren- de Elemente. Das bekannteste Beispiel ist das Englische. Die Genusmarker