„Grübelbilder einer anderen, poetischen Idee von Wissenschaft“ Martin Huber; Wendelin Schmidt-Dengler (Hg.) Wissenschaft als Finsternis. Jahrbuch der Thomas-Bernhard-Stiftung in Kooperation mit dem österreichi- schen Literaturarchiv. Wien: Böhlau 2002. Martin Huber; Manfred Mittermayer; Wendelin Schmidt-Dengler (Hg.) Thomas Bernhard Jahrbuch 2003. Wien: Böhlau 2003. Die zwei Bände des Thomas Bernhard Jahrbuchs sind eine erfreuliche Neuerscheinung – nicht daß Thomas Bernhard und sein Werk bisher vernachlässigt worden ist – insofern als die Bernhard-Forschung nun einen Platz findet, wo auch die mehr esoterischen Fra- gen, die nur den Bernhard-Forscher interessieren, abgehandelt werden können. Solche wohl eher intern interessierende Beiträge finden sich in beiden Bänden, so Manfred Mittermayers „Fundstücke eines Ausstellungsmachers“ (2002:109ff) und Bernhard Ju- dex’s Bericht über den Nachlaß von Bernhards Großvater Johannes Freumbichler (2003:169ff). Die Fülle der Beiträge kann hier nur angedeutet werden. Im Weiteren werde ich mich vor allem mit den Beiträgen zum Thema „Wissenschaft als Finsternis“ befassen. Wendelin Schmidt-Dengler geht davon aus, „daß die Disziplin Literaturwissenschaft ja gegenwärtig wieder eine Identitätskrise durchmacht [...] und sich halb und halb in eine Medien- oder Kulturwissenschaft überführt wähnt [...]“ (2002:11) und stellt die Frage, “ob nicht Bernhard mit seinen Texten eben diese Metho- den fragwürdig macht, mit denen man ihm sich näherte.“ (2002:10) Ähnlich wie George Battaille kritisiere Thomas Bernhard den Versuch, unter dem Namen einer Wissenschaft eine Welt abstrakter Dinge zu konstruieren, die wiederum von den Dingen der profanen Welt kopiert wurden, von einer Teilwelt also, die von dem Begriff der Nützlichkeit do- miniert wird. Thomas Bernhards Satz „Die Wirklichkeit ist so schlimm / daß sie nicht beschrieben werden kann“ (Heldenplatz, 115) stelle jede wissenschaftliche Beschrei- bung der Wirklichkeit in Frage. Franz Schuh meint: „Wie in Canettis Blendung tritt das Böse in Bernhards Texten unvermittelt hervor“ und sagt, wenn sie einmal gut gemeint seien, „so wie in der Schlusspointe der Auslöschung, dann wird’s erst richtig schlimm!“ (Die Zeit 27/2003) Eva Marquardt meint, Bernhard behaupte „die Vergeblichkeit jegli-