EXISTENZANALYSE 26/2/2009 13 ORIGINALARBEIT 1. Anthropologische Grundlagen Frankls Die Rolle des Körpers ist für die Existenz fundamental. Existieren ist leibhaftig sein. Das Dasein in der Welt ist kör- perlich vermittelt. In der Welt sein heißt Leib sein. Im Körper sein – körperlich sein – ist die originäre Form des in der Welt Seins. Ist Urform des Könnens: Ich bin, nehme Raum ein, be- halte den Platz, beziehe mich zum Sein – lasse sein – Ur-Kön- nen. – Körper ist Ur-Erleben. Wir brauchen die Körper- erfahrung, um erleben zu können, um Werte zu fassen. Denn Fühlen findet im Körper statt. An ihm fühlen wir das Leben. Werden Werte gefühlt, so verbindet uns das mit uns selbst. Dann kann der Mensch mehr sein, was er ist; kann ganzheitli- cher sein. Kann mehr spüren, was das Seinige, was das Rich- tige ist. Der Körper ist immer tragend zugegen. – Wenn wir etwas in der Welt verändern wollen, brauchen wir den Kör- Das eingefleischte Selbst Existenz und Psychosomatik Unser Körper ist die Hälfte der Seele (K. Gibran) Alfried Längle The Self in the Flesh Existence and Psychosomatics --------------------- Existence is holistic being, i.e. embodied being in the world. Existence in EA is described by the existential fundamental motivations. They contain the psychodynamic basis which may provoke psychic disorders in the body. Drawing on clinical experience and derived from numerous theories of psychosomatics and theories of resource-enhancement, an anthropological picture and an etiological understanding of psychosomatic diseases is developed, which also offers a subjectively felt link between the body and psyche. Hence a psychosomatic disorder is characterized mainly by a blockage of the 2 nd and 3 rd funda- mental motivations combined with an ex- aggerated reaction of the 1 st and 4 th FMs, thus resulting in the typical functional activism. Psychopathologically, one may start out with a simultaneous concurrent disorder, mutually inhibiting and therefore “masked” depression and hysteria. The personal-spiritual process of the appropriation of information is charac- terized by reduced reception of “impression” and development of “position-taking”. – A case study exemplifies the description of this exis- tential analytical approach to psychosomatics. Key words: existential analysis, psychoso- matics, anthropological concept of man, exis- tential fundamental motivations, psycho- dynamics Existenz ist ganzheitliches Sein, d.h. es ge- schieht leibhaftig und in der Welt. Die Welt ist uns nicht anders als körperlich vermit- telt. Im Körper zu sein ist primäres In-der- Welt-Sein. Vor dem Hintergrund dieser anthropologi- schen Konstitution des Menschen erhält der Körper eine tragende und zugleich vermit- telnde Rolle im Lebensvollzug. Wie aber wirkt sich diese Rolle auf die Psyche aus? Wodurch kann dieses Zusammengehen von Psyche und Körper so gestört werden, daß der Körper unter der Psyche erkrankt? Da die existentiellen Grundmotivationen ein Konstrukt darstellen, welches vom In-der- Welt-Sein des Menschen ausgeht, bietet es sich an, die psychodynamischen und exis- tentiellen Grundlagen zu beschreiben, durch die es zu psychisch bedingten Störungen im Körper kommen kann. So kann aus der EA ein theoretisches Verständnis psychosoma- tischer Störungen entwickelt werden, das wiederum Grundlage für spezifische thera- peutische Intervention wird. Nach einer Reflexion des Leib-Seele Pro- blems in der EA werden sowohl psychoso- matische Funktionsstörungen als auch psy- chosomatische Krankheiten unter existen- tiellen Gesichtspunkten beschrieben. Schlüsselwörter: Anthropologie, Existenz- analyse, existentielle Grundmotivationen, Psychodynamik, Psychosomatik