Ambrosius, Julianus Valens und die „gotische Kleidung“ 45
Ambrosius, Julianus Valens
und die „gotische Kleidung“
Eine Schlüsselstelle
historisch-archäologischer Interpretation
Philipp von Rummel
Die Frage, was archäologische Funde über ethnische Identitäten aussagen
können, wird in den letzten Jahren auch in der frühgeschichtlichen
Archäologie wieder intensiv diskutiert.
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Einer der zentralen Punkte ist da-
bei, ob, und wenn ja, wie ethnische Identität in Kleidung zum Ausdruck
kommt. Um hier Erkenntnisfortschritte zu erlangen, wird viel diskutiert
über Fundtypen, ihre Verbreitung und Datierung, aber auch über Gewand-
formen und die Funktion und Lage einzelner Stücke am Gewand. Es be-
steht die Hoffnung, so Muster erkennen zu können, in denen sich Eigen-
heiten frühgeschichtlicher gentes widerspiegeln. Diese könnten auf diese
Weise nicht nur identifiziert, sondern in ihrer historischen Entwicklung
verfolgt werden. Von archäologischer Seite wird dabei zumeist auf ein aus
zwei Teilen bestehendes Fundament aufgebaut. Dessen erster Teil besagt, es
habe in der Spätantike und im frühen Mittelalter gentes gegeben. Dies stehe
in den Schriftquellen und bedürfe genau wie die Kenntnis ihrer Siedlungs-
räume keiner archäologischen Begründung. Dieses Wissen könne daher als
Basis in die archäologische Forschung einfließen. Die zweite Grundlage ist
die Annahme, Kleidung habe in dieser Zeit in erster Linie die ethnische Zu-
gehörigkeit ihres Trägers demonstriert.
Obwohl von historischer Seite her schon gezeigt wurde, dass gerade die
letzte Prämisse eigentlich verworfen werden müsste, wird jedoch die Forde-
rung vom getrennten Marschieren und vereinten Schlagen der Archäolo-
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Vgl. etwa Sebastian Brather, Ethnische Interpretationen in der frühgeschichtlichen Ar-
chäologie. Geschichte, Grundlagen und Alternativen. Ergänzungsband zum Reallexikon
der Germanischen Altertumskunde 42 (Berlin, New York 2004); Volker Bierbrauer, Zur
ethnischen Interpretation in der frühgeschichtlichen Archäologie. In: Walter Pohl/Peter
Erhart (Hrsg.), Die Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittel-
alters. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8 (Wien 2004) 45–84.
Zwischen Spätantike und Frühmittelalter – RGA-E Band 57 – Seiten 45–64
© 2008 Walter de Gruyter · Berlin · New York