Casanovas Heimfahrt ins italienische Fernsehen Camilla Miglio Die Fernseh-Rezeption 1 von Arthur Schnitzlers Novelle Casanovas Heimfahrt be- leuchtet ein Stück italienischer Kulturgeschichte der 1960er und 1970er Jahre: Die Heimfahrt Casanovas nach Italien – als Schriftsteller und Intellektueller, aber auch als Mythos und emblematische Gestalt. Casanovas Heimfahrt (zwischen 1914 und 1917 entstanden, 1918 veröffent- licht 2 ) wurde von Schnitzler selbst als Wendepunkt in seinem Leben empfunden. Nicht von ungefähr erwähnt er in seinem Tagebuch, dass sich Hauptfigur und Autor bei der Entstehung der Novelle beide in ihrem 53. Lebensjahr befanden. 3 Erzähltes und erlebtes Alter ermöglichen ein Einfühlungs- und Identifikations- muster zwischen Figur und Autor, worauf wir später zurückkommen werden. Piero Chiaras Bemühungen um Casanova Die Novelle wurde 1975 von Giuseppe Farese 4 unter dem Titel Il ritorno di Casa- nova ins Italienische übersetzt. 5 Diese Übersetzung diente als Vorlage für eine Verfilmung in der Gattung Romanzo Sceneggiato (eigens für das Fernsehen produ- 1 Il Ritorno di Casanova ist die erste italienische Fernsehproduktion, deren Sujet aus dem Werk Schnitzlers stammt. Zur Rezeption von Schnitzlers Œuvre im italienischen Kino vgl. Matteo Galli: „Ma c’ha proprio ‘na fissa co’sto Snittler.” Schnitzler e il cinema italiano. Vortrag im Rahmen der Tagung Arthur Schnitzler e il suo doppio. Cinema e letteratura (Udine, 14. – 17.11.2007). Veröffentlichung in Vorbereitung. Galli setzt sich mit den vier italieni- schen Schnitzlerschen Literaturverfilmungen Il ritorno di Casanova von Pasquale Festa Campanile (1979), La signorina Else von Enzo Muzii (1980), Ad un passo dall’aurora von Mario Bianchi alias Mark B. Light (1989) und Mio caro dottor Gräsler von Roberto Faenza (1991) auseinander. Zur Rezeption von Arthur Schnitzlers Dramen im deutschen Fernse- hen vgl. Sandra Nuy: Arthur Schnitzler ferngesehen. Ein Beitrag zur Geschichte des Thea- ters im Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland (1953–1989). Münster u.a. 2000. (Ob- wohl die genannte Studie nur den Dramen und nicht den Novellen gewidmet ist, ist sie im Allgemeinen sehr interessant und enthält eine ausführliche Bibliografie zum Thema Litera- turverfilmung im Fernsehen.) Ich danke der Direktion der Abteilung Teche der Rai – Radio- televisione Italiana, die mir eine Kopie des fast unauffindbaren Films von Festa Campanile zur Verfügung gestellt hat. 2 Arthur Schnitzler: Casanovas Heimfahrt. In: A. S.: Gesammelte Werke. Die Erzählenden Schriften. Bd. 2. Frankfurt a.M. 1961, S. 231–243. 3 Zit. nach Reinhard Urbach: Schnitzler-Kommentar zu den erzählenden Schriften und dra- matischen Werken. München 1974, S.129. 4 Giuseppe Farese hat mit seinen Übersetzungen und kritischen Studien Pionierarbeit gelei- stet, um Schnitzlers Werk dem italienischen Publikum nahezubringen. Es gab jedoch eine erste, vergessene italienische Ausgabe von Casanovas Heimfahrt, 1930 in der Übersetzung von C. Bareggio bei Sperling & Kupfer in Mailand erschienen. 5 Arthur Schnitzler: Il ritorno di Casanova. Hg. von Giuseppe Farese. Mailand 1975.