Al-Fadschr Nr. 132 9 Muslimische Identität im globalen Dorf S. R. Ameli * Die Identität ist ein umfangreicher Themenkomplex, und im Kontext dieses Artikels soll zwischen islami- schen und muslimischen Identitäten unterschieden werden. Muslimische Identität als solche ist relevant für die Soziologie, Anthropologie, Psy- chologie, Politikwissenschaft oder auch die Philosophie der Sozialwis- senschaften, wo die Interaktion zwi- schen Religion und Gesellschaft untersucht wird, während die islami- sche Identität im Bereich der Philo- sophie, Theologie und verwandten Disziplinen analysiert wird. Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass es zwischen den zwei Identitäten eine enge Beziehung gibt und man die muslimische Identität sicherlich nicht analysieren kann, ohne der wichtigen Frage der islamischen Religion Aufmerksamkeit zu schen- ken. Ursprung und Entwicklung der isla- mischen Identität Die Fragen des Selbstseins oder der Identität und der Globalisierung sind zwei der wichtigsten Fragen des dritten Jahrtausends. Religiöse Iden- tität ist das Nebenprodukt der Inter- aktion zwischen Religion und Gesell- schaft. Durch diese Interaktion mani- festieren sich das religiöse Ethos und die religiösen Prinzipien in verschie- denen Handlungsweisen. Religiöse Identität ist eine Sammlung von Symbolen und Hinweisen, die mit- einander verschmolzen sind und von Individuen gebraucht werden, um die Intensität ihrer eigenen religiösen Identität zu messen, und hat folglich eine soziale Erscheinungsform. Der islamische Charakter zeigt sich in vielen Normen, Verhaltensweisen, Bräuchen und Werten, die Muslime kollektiv von Nichtmuslimen unter- scheiden. Demgemäß wird Identität zu einer Art von Schließen der Rei- hen, wie auch zu einer unabhängigen und abgelösten Denkweise, die mus- limische Gesellschaften von nicht- muslimischen Gesellschaften um sie herum unterscheiden. Es ist nur na- türlich, wenn man glaubt, dass auf- grund der den frühen Muslimen auf- erlegten Umstände, sich deren isla- mische Identität primär in Form des Widerstandes gegen den äußerlichen Druck manifestierte. Im Laufe der Zeit hat die islamische Identität zahlreiche Veränderungen durchlaufen, primär aufgrund von unterschiedlichen Kulturen, politi- schen Strukturen und Gesellschafts- systemen sowie historischen und geografischen Faktoren. Diese ver- schiedenen Faktoren in verschiede- nen Teilen der Welt führten zu unter- schiedlichen Modellen, die für die Begriffsbestimmung von „Identität“ gebraucht wurden, wobei auch per- sönliche Interpretationen und Wahr- nehmungen eine nicht unbeachtliche Rolle spielten. Ungeachtet eines hohen Maßes an Gemeinsamkeiten zwischen allen Muslimen, unter- scheiden sich die Manifestationen der islamischen Identität von Nation zu Nation; man muss sich nur die Er- scheinungsformen dieser Identität z. B. bei pakistanischen, türkischen, albanischen, indonesischen, irani- schen oder tunesischen Muslimen anschauen. Übergang von einer traditionellen zu einer modernen und postmodernen Ge se llsc ha ft Eine weitere strukturelle Verände- rung in der Idee von der Identität der Muslime wie auch allen anderen kollektiven religiösen Identitäten, ist der Wandel in der Gesellschaftsstruk- tur und der Übergang von einer tradi- tionellen zu einer modernen Gesell- schaft. Dieser Übergang hat die postmoderne Kultur mit sich ge- bracht. Da in der traditionellen Ge- sellschaft schnelle und effiziente motorbetriebene Transportmöglich- Welchen Einfluss hat die Globalisie- rung auf die Identi- tät der Muslime? Identität