Bü- Medienreport mehr Denkmälern und Würdigungen den Widerspruch von Muslimen hervorgerufen, die darin einen Versuch sahen, Albanien für den Katholizismus zu missionieren. Der in Großbritannien lebende albanische Wissenschaftler und Publizist Gëzim Alpion hat 2007 in seiner Studie: Mother Teresa – Saint or Celebrity? (s. AH 4/2006) die Auseinandersetzung um Leben und Werk der Nonne analysiert. Er registrierte schon damals nicht weniger als 519 Bücher über sie, fast ausnahmslos positive Darstellungen bis hin zur Hagiographie. Zu den wenigen Ausnahmen gehört das erstmals 1995 erschienene, jetzt wieder aufgelegte schmale Buch von Christopher Hitchens. Es war aus einer Fernsehdokumentation von Hitchens aus dem Jahr 1994 mit dem nicht minder deutlichen Titel „Hell’s Angel“ entstanden. Hitchens, der im Dezember letzten Jahres starb, war ein progressiver Publizist und Kommentator, der neben scharfer Kritik am US- Imperialismus auch Unterstützung für die Intervention im Irak gezeigt hatte. Er kritisierte auch das zu späte Eingreifen im Jugoslawienkrieg. Seine spektakulärsten Aufträge hatte er mit fundamentalen Angriffen auf die Religion – nicht nur das Christentum, sondern auf religiöses Denken an sich. Die Neuauflage seiner Streitschrift hat sicher auch damit zu tun, dass der Mutter-Teresa-Kult im ganzen albanischen Raum seit ihrem Tod gewaltig zugenommen hat, besonders nach ihrer Seligsprechung durch Johannes Paul II. 2003. Das war unkanonisch schnell; Hitchens weist darauf hin, dass kein Papst der Neuzeit so viele Heilig- und Seligsprechungsverfahren eingeleitet hat wie Woytila – Hitchens zieht den Vergleich mit den Taufen ganzer chinesischer Truppenverbände durch christliche Generäle heran, die ihre Einheiten einfach mit dem Feuerwehrschlauch begossen. Hitchens wichtigste Argumente gegen Mutter Teresa sind: - Sie lasse sich von konservativen Eliten für deren Zwecke einspannen, nicht etwa umgekehrt. Die höflichen Gespräche mit Nexhmije Hoxha und die Kranzniederlegung an Enver Hoxhas Grab und ihre Elogen an Jean Claude Duvaliers Frau Michelle – die Exponentin einer der parasitärsten, unfähigsten und grausamsten Diktaturen – bewiesen dies. - Sie vertrete die komplette Agenda der konservativsten Kräfte innerhalb der Kirche, für die es nur darum gehen, für die Menschen vor ihrer Geburt und nach ihrem Tode zu sorgen, deren Leiden dazwischen aber gottgewollt sei. - Sie verstehe ihre Arbeit mit Kindern nicht so sehr als humanitären Akt als vielmehr als Maßnahme gegen Verhütung und Abtreibung und trug damit zur Geburt zahlloser Kinder ohne jegliche Lebenschance bei. - Trotz Bekundungen, kein Geld von Reichen zu nehmen, akzeptiere sie Spenden von später verurteilten Kriminellen und habe sich für diese eingesetzt, lehnte aber eine Rückgabe zugunsten der Geschädigten ab. - Trotz durchaus vorhandener Geldmittel würden die Ordenshäuser bewusst auf einem extrem armseligen Niveau ausgestattet. Den Leidenden würden Schmerzmittel verweigert, weil sie ihr Leiden mit Christus teilen müssten. - Schwerkranken würde allenfalls eine dilettantische und sogar schädliche Behandlung durch unqualifizierte Kräfte zuteil; eine Zusammenarbeit mit oder Überweisung in Krankenhäusern würde verweigert. - Sie habe Wunder vorgetäuscht, wo natürliche Erklärungen auf der Hand lagen (z.B. sah sie auf Filmaufnahmen ein göttliches Licht, während die Kameraleute sich über einen besonders lichtempfindlichen Film freuten), und diese Schwindeleien würden jetzt in ihrem Kanonisierungsverfahren zu ihren Gunsten genutzt. - Sterbende würden ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung getauft. - Sie lasse sich vor den Karren eines albanisch-katholischen Extremnationalismus spannen. Das ist starker Tobak, aber Hitchens führt Belege für seine Behauptungen an, darunter den Erfahrungsbericht einer ausgestiegenen Ordensschwester von Mutter Teresas Orden „Missionare der Nächstenliebe“, der – wundert es jemanden? – keinen Verleger gefunden hat. Gemessen an den hysterischen Reaktionen auf die wissenschaftlich- kritische Biographie Skanderbegs von Oliver Jens Schmitt, kann man sich vorstellen, was auf einen albanischen Verleger zukäme, der Hitchens’ Buch verlegen würde. Vielleicht wäre es das Risiko wert … Michael Schmidt-Neke Bailey, Roderick. The Wildest Province - SOE in the Land of the Eagle. London: Random Hause UK (Tb.) 2009; 416 Seiten; ISBN: 1845950712; Mit „The Wildest Province“ präsentiert Roderick Bailey seine sehr umfangreichen Forschungen zur Geschichte des britischen Engagements in Albanien während des Zweiten Weltkrieges. Damit leistet er einen Beitrag zur in Großbritannien seit dem Ende des Krieges immer wieder aufflammenden Debatte, ob und in welchem Maße Großbritannien eine “Mitschuld” an 45 Jahren kommunistischer Herrschaft in Albanien hat. Rückblick: Großbritannien hat sich, zuerst sehr zurückhaltend, aber dann verstärkt ab 1940 mit dem Eintritt Italiens in den Krieg, in Albanien engagiert um dort einen antifaschistischen Widerstand aufzubauen. Wie dieser Widerstand zustande kommen sollte und wie dieser am effektivsten unterstützt werden könnte, blieb unter den unterschiedlichen Akteuren aber umstritten. Vor allem ging es darum, welche der unterschiedlichen Widerstandsgruppen im Land – 26 Albanische Hefte 1/2012